Kommentar zur Arbeitslosigkeit

Armut im Powerhouse

Als Hauptrisiko für die regionale Wirtschaft gilt der Mangel an Fachkräften.

Als Hauptrisiko für die regionale Wirtschaft gilt der Mangel an Fachkräften.

Bonn. Bonn macht die Langzeitarbeitslosigkeit zu schaffen, sie geht langsamer zurück als im Bund. Manchmal fehlt nur der Mut, Neues zu wagen, meint GA-Redakteurin Ulla Thiede.

Als „wirtschaftliches Powerhouse“ bezeichnet Hubertus Hille, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg, die Region. Zehntausende Neubürger haben sich in Bonn und Umgebung in den vergangenen Jahren niedergelassen, weil attraktive Jobs sie lockten. Das Problem: Es sind in erster Linie Jobs für Hochqualifizierte. Was fehlt, sind Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose, die keine abgeschlossene Berufsausbildung haben oder schon so lange vom Erwerbsleben ausgeschlossen sind, dass sie Probleme mit einer regelmäßigen Tätigkeit haben.

Der Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit geht zu langsam voran. Das hat dazu geführt, dass die Arbeitslosenquote der Stadt Bonn einen ganzen Prozentpunkt über dem bundesdeutschen Schnitt liegt. Für ein „wirtschaftliches Powerhouse“ wahrlich ein Armutszeugnis.

Politik und Verwaltung haben das Problem spät erkannt, das mit für Bonns hohe Sozialausgaben verantwortlich ist. So hat man vor gut zwei Jahren den „Runden Tisch Langzeitarbeitslosigkeit“ eingerichtet, wo IHK und Handwerkskammern, Arbeitsagenturen, Jobcenter und Gewerkschaften nun gemeinsam Initiativen entwickeln, um Erwerbslose wieder in Arbeit zu bringen. Das Problem Fachkräftemangel in all seinen Facetten wird so nicht zu lösen sein, aber es gibt genügend freie Stellen, die keinen Universitätsabschluss erfordern. Manchmal fehlt nur der Mut, Neues zu wagen.