Schuldenkrise bremst deutsche Wirtschaft

Wiesbaden.  Die Schuldenkrise im Euroraum würgt den deutschen Wachstumsmotor langsam ab. Verunsicherte Unternehmer stellen Investitionen zurück, die Exportwirtschaft leidet unter der schwachen Nachfrage aus rezessionsgeplagten Euroländern.
Das Wachstum verlangsamt sich. Foto: Karl-Josef Hildenbrand Foto: DPA

Dennoch haben Außenhandel und der starke Konsum im Inland die deutsche Wirtschaft nochmals angetrieben, die Dynamik lässt aber spürbar nach: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im dritten Quartal 2012 preis-, saison- und kalenderbereinigt nur noch um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte.

Nach einem überraschend rasanten Jahresstart geht der Konjunkturlokomotive Deutschland allmählich die Puste aus. Die Wirtschaft war im ersten Vierteljahr noch um 0,5 Prozent gewachsen, im zweiten Vierteljahr um 0,3 Prozent.

Das schwächt auch den Euroraum: Erstmals seit drei Jahren ist die Eurozone wieder in die Rezession geschlittert. Im dritten Quartal schrumpfte die Wirtschaftsleistung in den 17 Euroländern verglichen mit dem Vorquartal zum zweiten Mal nacheinander. Sie sank um 0,1 Prozent nach minus 0,2 Prozent zuvor, berichtete die Europäische Statistikbehörde Eurostat am Donnerstag in Luxemburg. Volkswirte sprechen von einer Rezession, wenn das Wirtschaftswachstum in mindestens zwei Vierteljahren in Folge negativ ausfällt.

Immerhin: Deutschland schlägt sich etwas besser als von Ökonomen erwartet. Bankvolkswirte hatten im Schnitt nur mit einem Mini-Plus von 0,1 Prozent gerechnet. "Das Wachstumstempo ist im Jahresverlauf zwar gesunken", sagte der Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, Alexander Krüger. Es sei aber ein Erfolg, dass die Wirtschaftsleistung trotz der schwächeren Weltkonjunktur und der anhaltenden Schuldenkrise bisher beständig zugenommen habe.

Für das Schlussquartal deutet sich aus Sicht von Ökonomen nun jedoch eine weitere merkliche Eintrübung der Konjunktur an. Gustav Horn vom Düsseldorfer Institut für Makroökonomie (IMK) warnt sogar: "Die Rezessionsgefahr für die deutsche Wirtschaft steigt."

Die Postbank erwartet im Schlussquartal ein Minus der Wirtschaftsleistung von 0,2 Prozent: "Einen deutlich negativen Wachstumsbeitrag dürfte vor allem von den Exporten kommen", sagte Postbank-Ökonom Marco Bargel. Die Staatsschuldenkrise werde die Ausfuhren schwer belasten. Positive Wachstumsimpulse erwarte er erneut vom privaten Konsum.

Konjunkturtreiber im dritten Vierteljahr waren die Exporte sowie der private und staatliche Konsum. Außerdem wurde mehr in Bauten investiert. Hingegen gingen die Investitionen in Ausrüstungen wie Maschinen und Fahrzeuge gegenüber dem Vorquartal erneut zurück.

Die deutsche Wirtschaft leide offensichtlich an der Unsicherheit, die von der Staatsschuldenkrise ausgeht, kommentierte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer die Lage. "Dafür spricht, dass die Unternehmen ihre Investitionen seit der Jahreswende senken und dies auch im dritten Quartal getan haben, obwohl die Exporte in der Tendenz weiter gestiegen sind."

Auch die zweitgrößte Euro-Volkswirtschaft Frankreich wuchs im dritten Quartal leicht - zur Überraschung von Experten. Von Juli bis September erhöhte sich das BIP zum Vorquartal um 0,2 Prozent, wie die französische Statistikbehörde Insee in Paris mitteilte. Volkswirte hatten mit einer Stagnation gerechnet.

Die südeuropäischen Krisenländer stecken unterdessen weiter in der Rezession fest. Die italienische Wirtschaft schrumpfte im dritten Quartal um 0,2 Prozent zum Vorquartal und verharrt seit nunmehr fünf Quartalen im Abschwung. In Spanien betrug das Minus im dritten Vierteljahr 0,3 Prozent, in Portugal 0,8 Prozent.

Im Vergleich zum dritten Quartal des Vorjahres legte das BIP in Deutschland preisbereinigt um 0,4 Prozent zu. Allerdings gab es in diesem Jahr einen Arbeitstag weniger. Bereinigt um diesen Effekt lag der Zuwachs bei 0,9 Prozent.

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