Planspiel zur NRW-Landtagswahl

Jetzt wird mit Parteiaktien gehandelt

Vor fünf Jahren: Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD, rechts) und ihre Vize, Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne), liegen sich in den Armen. Beide führen auch diesmal ihre Parteien in die Wahl. (Archivbild)

Vor fünf Jahren: Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD, rechts) und ihre Vize, Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne), liegen sich in den Armen. Beide führen auch diesmal ihre Parteien in die Wahl. (Archivbild)

Zwei Monate vor der Landtagswahl in NRW startet der General-Anzeiger gemeinsam mit dem Institut Prognosys aus Flensburg eine Wahlbörse. Bei diesem Planspiel können Leser mit virtuellen Parteiaktien handeln.

Die Wahlprogramme sind geschrieben, die ersten Plakate hängen und die politischen Auseinandersetzungen werden schärfer – untrügliche Zeichen dafür, dass die Landtagswahl nicht mehr weit ist. Am 14. Mai wählen die Menschen in Nordrhein-Westfalen den Landtag neu.

Nach den Umfragen sieht es danach aus, dass die bisherige Koalition aus SPD und Grünen nach der Wahl nicht länger in dieser Konstellation regieren kann. Zusammen kommen sie auf höchstens 45 Prozent. Dabei schwächeln derzeit die Grünen, die bei sieben Prozent liegen. Rechnerisch möglich wäre eine rot-rot-grüne Koalition, wobei Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und ihr Finanzminister Norbert Walter-Borjans große Zweifel an der Regierungsfähigkeit der Linken äußern.

Rechnerisch zwar möglich, aber politisch kaum denkbar sind sowohl eine Ampel-Koalition als auch ein Jamaika-Bündnis. Die Verbindung aus Rot, Gelb und Grün ist von FDP-Chef Christian Lindner scharf abgelehnt worden – jene aus Schwarz, Gelb und Grün vom Grünen-Landeschef Sven Lehmann. Bliebe noch die große Koalition aus SPD und CDU. Dennoch: Die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz vor einem Jahr hat gezeigt, dass auch in zwei Monaten ein Umschwung möglich ist. So machte die SPD mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer aus sechs Prozentpunkten Rückstand einen Vier-Punkte-Vorsprung am Wahltag und sicherte so die Regierungsverantwortung in Mainz. Es dürfte also auch in NRW spannend bleiben.

Dass es nur noch zwei Monate bis zur Wahl sind, nimmt der GA zum Anlass, um erstmals, gemeinsam mit dem Institut Prognosys aus Flensburg, eine Wahlbörse zu starten. Informationen und die Möglichkeit zur Registrierung unter www.ga-bonn.de/wahlboerse.

Wie beginnt die Wahlbörse?

Damit die Startwerte für die einzelnen Parteien ermittelt werden können, wird ein Tippspiel vorgeschaltet. Jeder kann an diesem Mittwoch das Ergebnis vorhersagen. Ab 18 Uhr hat die Wahlbörse geöffnet. Gehandelt werden kann bis zum 14. Mai, 17 Uhr.

Was ist eine Wahlbörse?

Bei einer Wahlbörse wird mit virtuellen Parteiaktien gehandelt. Das Planspiel ist ein Prognoseinstrument, um den Ausgang einer Wahl vorherzusagen.

Was ist der Unterschied zwischen einer Wahlbörse und einer Umfrage?

Bei einer klassischen Umfrage werden etwa 1000 zufällig ausgewählte Personen per Telefon oder im Internet nach ihren Parteipräferenzen befragt (Beispiel: „Welche Partei würden Sie wählen, wenn am nächsten Sonntag gewählt würde?“). „Daher kann sie nur näherungsweise repräsentativ sein“, erklärt Walter Mohr von Prognosys. Die Ergebnisse dieser Stichprobe werden mit speziellen, geheimen Techniken verfeinert. Umfragen werden meist in größeren zeitlichen Abständen durchgeführt und bieten den Vorteil, dass man einen größeren Fragenkatalog abarbeiten kann. Im Unterschied dazu erfolgt die Kursbildung bei einer Wahlbörse alle fünf Minuten. Sie ist laut Mohr aktueller und liefert ein fortlaufendes Stimmungsbild. Sie basiere zudem nicht auf einer passiven Befragung, sondern die Wähler können sich aktiv beteiligen. Die Auswahl der Spieler muss dabei, so Mohr, nicht repräsentativ sein. „Schon etwa 100 Teilnehmer können sehr gute Ergebnisse erzielen, die denen der Umfragen ebenbürtig sind.“

Wie läuft eine Wahlbörse?

Eine Wahlbörse funktioniert wie eine richtige Börse. Anstatt realer Firmenanteile wird das Wahlergebnis gehandelt. Für jede Partei, die eine realistische Chance auf den Einzug in den Landtag hat, gibt es Aktien. Es sind dies SPD, CDU, FDP, Grüne, Linke und AfD. Der Rest wird unter Sonstige zusammengefasst. Darunter fallen auch die Piraten, die derzeit weit unter der Fünf-Prozent-Hürde liegen. Entscheidend ist, so Mohr, dass sich die Mitspieler nicht Gedanken darüber machen, welche Partei sie selbst wählen würden, sondern wie der Wahlausgang insgesamt sein wird. Die Leitfrage ist: „Wie wird die Landtagswahl ausgehen?“ Ihre Überlegungen versuchen die Mitspieler dann durch Käufe und Verkäufe von Parteiaktien an der Wahlbörse umzusetzen. Die eigene Wahlabsicht spielt praktisch keine Rolle.

Was muss ich beachten?

An der Wahlbörse kann sich laut Mohr jeder beteiligen, der mindestens 18 Jahre alt ist. Das Mitmachen an sich ist gebührenfrei – man zahlt nur seinen Einsatz. Jeder kann ein bisschen gewinnen – und auch ein wenig verlieren, je nachdem, wie das Aktienpaket am Ende dasteht. Wer mitspielen will, zahlt nur einmalig 10 Euro. Das eingezahlte Geld wird in die Wahlbörsenwährung ProCent konvertiert (1 Euro = 10 000 ProCent). Jeder Spieler startet mit dem gleichen Kapital. Da es sich um echtes Geld handelt, wird jeder Aktionär gewissenhaft versuchen, die Parteiaktien mit Gewinn zu handeln. Die Teilnehmer sind auch bestrebt, in der Renditerangliste möglichst weit oben zu stehen. Die Prognose aus der Einschätzung aller Teilnehmer ist damit geboren.

Kann man mit der Wahlbörse Geld verdienen oder verlieren?

„Teilnehmer, die mehr als 20 Prozent gewinnen, also aus 10 Euro 12 Euro machen, die sind richtig gut“, erklärt Mohr. „Wenn sie mehr als 20 Prozent verlieren, sind sie entweder wirklich schlecht oder sie machen es bewusst, um anderen Parteien zu schaden oder ihre Lieblingspartei überteuert zu kaufen.“

Spielen auch die Parteimitglieder selbst mit?

Aus Erfahrung weiß Wahlbörsenleiter Walter Mohr, dass auch Parteimitglieder mitspielen. Solange sie sich größenmäßig ausgleichen, ist es problemlos. Erst wenn Fans einer Partei dominant auftreten und den Kurs ihrer Partei übermäßig hochtreiben, greift die Wahlbörse mit bestimmten Methoden ein, um gegenzusteuern.