Glasfaser in der Region

Oft fehlt das schnelle Internet

Oft noch nicht modern genug: Die Datennetze in den nordrhein-westfälischen Gewerbegebieten. FOTO: DPA

Oft noch nicht modern genug: Die Datennetze in den nordrhein-westfälischen Gewerbegebieten. FOTO: DPA

KÖLN/BONN. Nur zehn Prozent der 3000 Gewerbegebiete in Nordrhein-Westfalen sind mit schnellem Internet versorgt. Landeswirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) sieht deshalb "enormen Handlungsbedarf".

Die meist außerhalb der Ortslagen angesiedelten Industriegebiete sollen ans Netz gebracht werden. Die Kosten für eine flächendeckende Breitbandversorgung der Firmenparks mit Glasfasernetzen bezifferte Duin auf 500 Millionen Euro.

Eine Studie im Auftrag der NRW.Bank kommt zum Ergebnis, dass mit einer Investition von 3,2 Milliarden Euro eine flächendeckende Versorgung aller Betriebe und Haushalte durch einen Mix aus Kupfernetzen, Funk und Glasfaser zu schaffen ist. Derzeit werden 70,7 Prozent aller Haushalte in NRW mit 50 Megabit Übertragungsgeschwindigkeit pro Sekunde erreicht. Dabei gibt es ein deutliches Stadt-Land-Gefälle. Während Köln und Bonn fast komplett (96 Prozent) mit dem Hochgeschwindigkeits-Internet per Glasfaser vernetzt sind, besteht in ländlichen Regionen wie den Kreisen Olpe (Versorgungsquote: 43 Prozent), Heinsberg (39), Siegen-Wittgenstein (58), Rhein-Erft-Kreis (50) und Kreis Euskirchen (40) ein großer Ausbaubedarf. In der Städteregion Aachen sind 73 Prozent, im Rhein-Sieg-Kreis 49, im Rheinisch-Bergischen Kreis 48, im Kreis Düren 54 und in Leverkusen 88 Prozent der Anschlüsse ans schnelle Netz angeschlossen.

Die Kosten für Breitbandnetze müssen in der Regel von Kommunen, Betrieben oder über Anschlussgebühren auch von Privathaushalten gezahlt werden. "Wir reden nicht über Ausbau durch den Staat. Wir reden über private Investitionen von Unternehmen", sagte Duin. Er regte die Bildung von Genossenschaften zur Finanzierung an.

Der Minister sprach sich besonders für einen schnellen Ausbau der Glasfasernetze mit Übertragungsraten von 100 Megabits pro Sekunde in NRW aus. Weil 50-Megabit-Netze schon in wenigen Jahren nicht mehr dem technischen Stand entsprechen dürften, um große Datenmengen herunterzuladen, sollten Kommunen bei neuen Leitungen gleich auf Glasfaser setzen. Duin versprach, dass die mehrere Hundert Millionen Euro Erlös aus der bundesweiten Versteigerung neuer Funkfrequenzen Ende des Monats komplett ins Netz fließen. Gutachter Martin Fornefeld von der Micus Strategieberatung hält das Ziel für erreichbar, alle Regionen bis 2018 flächendeckend zumindest ans 50-Megabit-Netz anzuschließen, wenn in einzelnen Fällen auch über Richtfunk vernetzt würde.

Der Aufbau eines landesweiten Glasfasernetzes würde nach Schätzung von Fornefeld mindestens zehn Jahre dauern. Heute sind erst knapp sieben Prozent der Netze mit Glasfaserkabeln ausgerüstet. Duin räumte ein, dass auch künftig nicht "das letzte Gehöft" ans Netz angeschlossen werden könne. Eine 95-Prozent-Versorgung sei aber erreichbar. Die Ursache: Das Verlegen lohnt sich für den Netzanbieter nur, wenn genügend Kunden erreichbar sind. Bei Wirtschaftlichkeitslücken können aber auch Mittel aus Brüssel, Berlin und Düsseldorf beantragt werden.