Kommentar zur Führungskrise der SPD

Gemeinsame Sache

Bislang war der formelle Rückzug von SPD-Chef Schulz erst für Anfang März geplant. Nun soll Nahles schneller übernehmen.

Die SPD muss mehr gemeinsame Sache machen, kommentiert Chefredakteur Helge Matthiesen.

Bonn. Machtkämpfe pflegen eigentlich immer Sieger und Verlierer zu haben. Bei der SPD sind alle beschädigt, findet GA-Chefredakteur Helge Matthiesen und kommentiert die Krise der SPD.

Wenn Parteien erfolgreich sein wollen, dann dürfen die persönlichen Gegensätze des Führungspersonals keine große Rolle spielen. Dass Herbert Wehner Willy Brandt für eine Fehlbesetzung hielt, ist gut bekannt. Dass Helmut Schmidt Willy Brandt mit Klagen drohte, weiß man aus dem inzwischen veröffentlichten Briefwechsel der beiden. Helmut Kohl mochte viele seiner Mitstreiter nicht und hat doch am Ende den meisten genug Raum gelassen, politisch für die gemeinsame Sache zu wirken. Warum ausgerechnet der SPD diese banale Erkenntnis so gründlich abhanden kam, bleibt rätselhaft.

Machtkämpfe pflegen eigentlich immer Sieger und Verlierer zu haben. Bei der SPD sind alle beschädigt. Bis auf einen, der das Spiel aus der zweiten Reihe perfekt beherrscht: Olaf Scholz. Er kassiert regelmäßig schlechte Abstimmungsergebnisse auf den SPD-Parteitagen und ist doch der neue starke Mann des pragmatischen Flügels der Sozialdemokraten. Relativ glatt ist bisher auch Andrea Nahles durch die Auseinandersetzungen geschlüpft, obwohl ihre Haltung zu Sigmar Gabriel und ihr Wirken im Hintergrund eine zentrale Rolle für den Zerfall der SPD-Spitze spielt. Wenn sie sich, wie berichtet wird, gut mit Olaf Scholz versteht, dann ist das schon mehr Gemeinsamkeit als bei Brandt und Wehner.

Doch Sorgen muss der SPD etwas anderes machen. Wenn die gemeinsame Idee, das einigende Ziel die Führungsmannschaft nicht mehr zusammenhält und für Disziplin sorgt, dann ist grundsätzlich etwas faul in der Partei. Die Krise der SPD geht weiter.