Kommentar zum zum britisch-russischen Verhältnis

Harte Sanktionen

Hier in diesem Park in Salisbury wurden Skripal und seine Tochter bewusstlos aufgefunden.

Hier in diesem Park in Salisbury wurden Skripal und seine Tochter bewusstlos aufgefunden.

London. Für GA-Korrespondentin klingt der Fall wie ein Krimi, sie kommentiert die Folgen des Nervengas-Anschlags auf den ehemaligen russischen Doppelagent und seine Tochter auf britischem Boden.

Dieser ungeheuerliche Fall klingt wie ein Krimi à la John le Carré. Nur, wieder übertrifft die Realität die kühnste Fiktion. Auf britischem Boden werden ein ehemaliger russischer Doppelagent und seine Tochter Opfer eines Nervengas-Anschlags. Auch ein Polizist wird verletzt und die Bevölkerung einem immensen Risiko ausgesetzt. Allein das verstört. Es muss noch mehr verstören, dass die britische Regierung es für „sehr wahrscheinlich“ hält, dass Russland hinter dem Attentat steckt. Es ist damit auch ein Anschlag auf das Königreich.

Zwischen Großbritannien und Russland bahnt sich eine schwere diplomatische Krise an. Der Streit dürfte auch Auswirkungen auf die Verbindungen zwischen den USA und Europa auf der einen sowie Russland auf der anderen Seite haben. Es ist richtig, dass Partner wie Deutschland den Briten Unterstützung zugesagt haben. Aber jedes westliche Land hat eigene Interessen bezüglich Russland, sodass eine einhellige Reaktion leider unwahrscheinlich ist. Dabei würde solch ein außergewöhnliches Attentat auf dem Boden eines Verbündeten eine außergewöhnliche Antwort erfordern.

Die Briten richten ungewöhnlich scharfe Worte Richtung Moskau. Das zeigt, dass sich die Behörden über die Verwicklung Russlands beinahe sicher sind. Mit einem solch seltenen Nervengas-Gemisch zu hantieren, erfordert eine beträchtliche Infrastruktur, die den Kreis der Verdächtigen schnell verkleinert hat.

Sollte sich bestätigen, dass Moskau etwas mit dem Attentat zu tun hat oder sollte Russland mit Provokationen auf das Ultimatum antworten, muss das Folgen haben, die darüber hinausreichen, Diplomaten des Landes zu verweisen oder das Vermögen einiger weniger einzufrieren. Genau das passierte nach dem Mord an Ex-Agent und Putin-Kritiker Alexander Litwinenko, nachdem eine Jury zum Ergebnis gekommen war, der Kreml habe das Attentat „wahrscheinlich“ angeordnet. Dass die Insel zwölf Jahre später wieder über einen Anschlag auf einen Ex-Spion rätselt, zeigt, dass die damaligen Maßnahmen nicht funktioniert haben. Wirtschaftliche Sanktionen würden Russland viel härter treffen. Sie umzusetzen erfordert aber politischen Willen.

In Großbritannien haben russische Oligarchen, Investoren und Geschäftsleute in den vergangenen 20 Jahren eine unverwischbare Spur hinterlassen. Sie haben Zeitungen, Fußballteams und Immobilien in den teuersten Ecken Londons gekauft. Das Königreich profitiert finanziell enorm. Deshalb hält sich die Politik zumeist heraus, wenn Kritik laut wird. Das ist umso bemerkenswerter, weil es kein Geheimnis ist, dass nicht nur gesetzestreue Russen, sondern auch schmutziges Geld und zwielichtige Gestalten ins Land kamen. Nun muss Theresa May mit harten Sanktionen reagieren. Der britischen Regierung stehen zahlreiche Druckmittel zur Verfügung. Die Frage ist, ob der Mut groß genug ist, sie auszuschöpfen.