Kommentar zu Nord- und Südkorea

Ein Fünkchen Hoffnung

Reisende sehen sich im Hauptbahnhof von Seoul (Südkorea) auf einem Fernseher die Neujahrsansprache des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un an.

Reisende sehen sich im Hauptbahnhof von Seoul (Südkorea) auf einem Fernseher die Neujahrsansprache des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un an.

Peking. Einen echten Frieden wird es auch 2018 zwischen den beiden verfeindeten Staaten auf der koreanischen Halbinsel nicht geben. Und doch sind die Zeichen, die das nordkoreanische Regime seit Jahresbeginn aussendet, eindeutig: Machthaber Kim Jong Un setzt auf Annäherung.

Das mag auf den ersten Blick überraschen. Das gesamte Jahr 2017 war geprägt von einer sich immer mehr verschärfenden Lage. Das war zum einen US-Präsident Donald Trump geschuldet, der mit verbalen Attacken auf Nordkorea um sich schoss, die dem Gejaule des nordkoreanischen Machthabers in nichts nachstanden. Zum anderen hat Pjöngjang fast ohne Unterlass Raketen getestet, einmal sogar eine Wasserstoffbombe hochgehen lassen – und damit den Zorn der Weltgemeinschaft auf sich gezogen.

Eines seiner wichtigsten Etappenziele hat Kim damit aber erreicht: Die USA können ihn nicht mehr ohne Weiteres angreifen, ohne selbst großen Schaden davonzutragen. Nun will das Regime in Pjöngjang verhandeln: Um Nahrungsmittel, Abbau der Sanktionen, Teilnahme an den Olympischen Winterspielen Anfang Februar im südkoreanischen Pyeongchang – und einer tatsächlichen Annäherung mit Südkorea.

Das alles bedeutet nicht, dass Kim das Atomwaffenprogramm aufgeben wird. Er könnte aber anbieten, die Produktion von waffenfähigem Uran auszusetzen und keine Raketen mehr ins All zu feuern. Im Gegenzug könnten die Sanktionen gelockert und Kims geschundenes Volk mit einem Wirtschaftsaufschwung beglückt werden. Dem Weltfrieden wäre zumindest ein Stück weit gedient.