Kommentar zur Schlacht um Mossul

Bewährungsprobe im Kampf gegen den IS

Peschmerga-Kämpfer sind Teil des Militärbündnisses in der Schlacht um Mossul.

Peschmerga-Kämpfer sind Teil des Militärbündnisses in der Schlacht um Mossul.

Washington. Kann nach der Schreckensherrschaft der Terrormiliz in den befreiten Gebieten eine einigermaßen gerechte Ordnung errichtet werden? GA-Korrespondentin Susanne Güsten meint: Viel Grund zur Zuversicht besteht nicht.

Die Schlacht um Mossul ist eine Bewährungsprobe im Kampf gegen den Islamischen Staat (IS). Militärisch geht es darum, die Dschihadisten aus der letzten Großstadt im Irak zu vertreiben und ihnen eine vielleicht entscheidende Niederlage beizubringen. Noch wichtiger ist der politische Test, der in Mossul ansteht: Kann nach der Schreckensherrschaft der Terrormiliz in den befreiten Gebieten eine einigermaßen gerechte Ordnung errichtet werden? Viel Grund zur Zuversicht besteht nicht.

Schon vor dem Beginn der Schlacht gab es erhebliche Spannungen. Die schiitische irakische Zentralregierung fürchtet, dass sunnitische Kräfte wie die Türkei in der Region Mossul mitbestimmen wollen. Ankara argumentiert, die Türkei sei direkt betroffen und habe deshalb ein Mitspracherecht: Mehrere Hunderttausend Menschen könnten demnächst aus Mossul in Richtung türkischer Grenze fliehen. Türkei-freundliche Milizionäre kämpfen deshalb in Mossul mit. Auf diese Weise will sich Ankara eine dauerhafte Rolle in der Region sichern.

Unterdessen blicken sunnitische Gruppen mit Sorge auf die Teilnahme der Volksmobilmachungs-Einheiten (PMU) und anderer pro-iranischer Schiitenmilizen an der Schlacht. Der PMU wird vorgeworfen, nach der Vertreibung des IS aus dem irakischen Falludschah sunnitische Zivilisten gefoltert und getötet zu haben.

Der ungelöste Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten im Irak war vor zwei Jahren einer der Gründe für den damaligen Siegeszug des IS: Viele Sunniten fühlen sich von den schiitisch dominierten Behörden und Sicherheitskräften im Irak unterdrückt, was den IS-Extremisten regionalen Rückhalt sicherte. Wenn sich daran nichts ändert, wird auch eine Rückeroberung von Mossul keine Stabilität bringen.

Zudem hat bisher niemand ein überzeugendes Rezept dafür, wie das Vakuum gefüllt werden soll, das nach der Zurückdrängung der Dschihadisten entsteht. Wie das Beispiel Falludschah zeigt, folgt auf die Vertreibung des IS häufig neue Gewalt. Auch die bisherigen Erfahrungen in Syrien sind deprimierend. Lokale Autonomieregelungen wie bei den Kurden im Norden Syriens rufen das Misstrauen von Nachbarn wie der Türkei hervor. In anderen Gegenden machen sich Kriegsfürsten breit. Die Rückkehr der Regierung des syrischen Staatsschefs Baschar al-Assad in vom IS befreite Gebiete wird zwar von Assad selbst sowie von Russland und dem Iran angestrebt, aber von sonst niemandem.

Praktikable Möglichkeiten, die betroffenen Menschen nach dem Ende der IS-Herrschaft vor neuer Unterdrückung zu schützen und ihnen die Chance zu geben, ihre Vertreter selbst zu bestimmen, sind entscheidende Bestandteile des Kampfes gegen die Dschihadisten. Wenn es hier keine Lösung gibt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der IS oder eine ähnliche Organisation in Städte wie Mossul zurückkehrt.