Meinungsforscher Reinhard Schlinkert

Wieso Merkels Vorsprung vor Steinbrück so groß ist

Gründer und Geschäftsführer des Bonner Instituts dimap: Reinhard Schlinkert.

BONN. Reinhard Schlinkert über Umfragen an sich, die immer kurzfristigeren Entscheidungen der Bürger sowie Merkels Vorsprung gegenüber Steinbrück

Angela Merkel führt die Liste der beliebtesten Spitzenpolitiker mit weitem Abstand an. CDU und CSU haben 17 Punkte Vorsprung vor der SPD, und im direkten Vergleich mit ihrem Herausforderer Peer Steinbrück liegt die Bundeskanzlerin weit vorn. Darüber hinaus glauben die Bürger zu mehr als vier Fünftel, dass Merkel auch nach der Bundestagswahl am 22. September die Regierung führen wird. All das hat das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap in den vergangenen Wochen in seinem Deutschlandtrend für die ARD herausgefunden.

Ist die Wahl also schon entschieden? "Nein", sagt Reinhard Schlinkert, der Geschäftsführer des Bonner Unternehmens dimap, quasi der Mutter von Infratest dimap: "Entschieden ist die Wahl erst am Wahlsonntag." Aber es stimme schon, Merkel werde von den Wählern vor allem bei den wichtigsten Themen wie Euro, Schuldenkrise und bezahlbare Energiekosten wesentlich mehr an Kompetenz zugewiesen.

Seit 1997 ist Infratest dimap bei der ARD in der Wahlberichterstattung dabei, führt Meinungsumfragen wie den Deutschlandtrend und auch Wahltagsbefragungen durch. "Bei denen sind wir immer besser geworden", sagt Schlinkert. Bei der niedersächsischen Landtagswahl habe es zwischen 18-Uhr-Prognose und vorläufigem amtlichen Endergebnis unter den großen Parteien nur eine Abweichung von 0,8 Prozentpunkten gegeben.

Neben dem ZDF-Politbarometer der Forschungsgruppe Wahlen gilt der ARD-Deutschlandtrend als wichtigste Umfrage. Alle vier Wochen gibt es eine ausführliche, über die die ARD donnerstags in den Tagesthemen berichtet. Jeweils zwei Wochen danach veröffentlicht Infratest dimap im Morgenmagazin Umfragedaten. Der General-Anzeiger berichtet über die Ergebnisse jeweils am Freitag.

Insgesamt werden für die Sonntagsfrage ("Welche Partei würden Sie wählen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre?") des Deutschlandtrends 1500 Bürger angerufen, rund 25 Prozent nach Angaben Schlinkerts über Mobiltelefone, die anderen drei Viertel über das Festnetz. Die Vorwahlen würden vorher festgelegt. "Danach generiert der Computer zufällig Telefonnummern." Bei den Sachthemen, wie jüngst bei Fragen zur Abhöraffäre, sind es rund 1000 Wahlberechtigte, die angerufen werden. Damit, so Schlinkert, sind die Umfrageergebnisse repräsentativ.

Er selbst hat sein Handwerk bei dem früheren Meinungsforschungsinstitut infas, ebenfalls in Bonn, gelernt. 1995 gründete er dimap, das Institut für Markt- und Politikforschung. Einen Versuch der direkten Einflussnahme, so Schlinkert, habe er von Seiten der Politik in all den Jahren nicht erlebt. Die Parteien hätten allerdings schon einmal nachgefragt, ob sich Trends in den Umfragen verstetigt hätten oder wie Ergebnisse einzuordnen seien. Das aber sei nicht problematisch.

Obwohl die Bürger sich immer kurzfristiger vor Wahlen entschieden, sei das Umfragegeschäft nicht schwieriger geworden, sagt Schlinkert. Denn sein Unternehmen und die anderen Institute fragten ja danach, was die Bürger zu einem bestimmten Zeitpunkt dächten. "Es sind jeweils Zustandsmessungen am Tag X", fügt er hinzu. Ob jene auch in zehn Wochen die Bundeskanzlerin vorn sehen, das werde die Zukunft zeigen. "Es gibt schließlich auch weltpolitische Ereignisse mit dem Bezug zu Deutschland, die niemand vorhersehen kann", sagt der Demoskop.