Privatwirtschaftliche Investitionen in Afrika

Privatkapital und Entwicklungshilfe

Diskutierten bei der GIZ : Amadou Diallo, Lutz Warkalla, Julia Leininger und Gerald Guskowski (v.l.n.r.).

Diskutierten bei der GIZ : Amadou Diallo, Lutz Warkalla, Julia Leininger und Gerald Guskowski (v.l.n.r.).

Bonn. Privatinvestitionen spielen in der internationalen Debatte eine immer größere Rolle. Experten diskutierten bei der GIZ über deren Nachhaltigkeit.

Alte Ideen im neuen Gewand – so betrachtet Julia Leininger Bestrebungen, Entwicklung in Afrika verstärkt durch Privatinvestitionen in Afrika anzuregen. „Ich bezeichne das gerne als den 'Täglich grüßt das Murmeltier-Effekt'“, kommentierte sie den Ansatz und stieß damit in der Diskussionsrunde „Alter Nachbar, neuer Partner – Chancen für ein Wachstum mit Afrika“ auf große Zustimmung im Publikum. Die Bedeutung privatwirtschaftlicher Investitionen in Afrika war das Hauptthema des Abends – ein Thema, das derzeit sowohl bei der EU als auch bei der deutschen G20-Präsidenschaft und im deutschen Marshallplan mit Afrika eine große Rolle spielt.

Über die Chancen und Risiken solcher Konzepte sprachen Mittwochabend neben Julia Leininger vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) auch Amadou Diallo, Vize-Vorstandspräsident der DHL Global Forwarding, und Gerald Guskowksi, Gruppenleiter der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft bei der GIZ. Die Diskussion aus der Reihe „Bonn und die Welt“ moderierte Lutz Warkalla, Politik-Redakteur beim GA.

Für Leininger handele es sich bei der Privatwirtschaftsförderung um klassische neoliberale Politik, die der breiten Bevölkerung nicht zwangsläufig zugute komme. Privatkapital werde in Afrika zwar dringend benötigt. Wichtiger sei allerdings, bei wem es ankomme. Kritik an der Nachhaltigkeit des Ansatzes gab es auch von Amadou Diallo. Für problematisch hält er vor allem das Fehlen von Anreizen für deutsche Unternehmer. Dies sei auch den lokalen und regionalen Entscheidungsträgern in Afrika anzulasten, die ihre Länder nicht attraktiv genug präsentierten.

Abgesehen davon sei es für afrikanische Unternehmen besonders schwierig, in der freien Marktwirtschaft konkurrenzfähig zu werden. Der EU attestierte Diallo gar eine „Unfair-Trade-Plattform“, die beispielsweise afrikanischen Milchproduzenten das Überleben erschwere. Grund dafür seien die hohen Agrarsubventionen und das EU-Überangebot, mit dem die Märkte Afrikas überschwemmt würden. Auch bei der GIZ ist man sich über derartige Schwierigkeiten im Klaren. Abhilfe schaffen könne die Organisation durch die Bereitstellung von Know-How, um die wirtschaftliche Zusammenarbeit um eine nachhaltige Dimension zu ergänzen, erklärte Gerald Guskowski. Durch die Arbeit der G20 seien bereits gute Rahmenbedingungen für eine verstärkte wirtschaftliche Kooperation geschaffen. Dass in der G20, der Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, lediglich Südafrika als afrikanischer Vertreter mit am Tisch sitzt, stößt auf dem Podium auf Skepsis. Wichtig sei es, afrikanische Vorreiterstaaten auszuwählen und ihren Einfluss zu nutzen, sagte Diallo. Dazu müsste man auf erfolgreiche Länder setzen, die über eine starke Strahlkraft verfügten.

Die Zeit drängt, denn neben bekannten Krisen Afrikas kündigen sich problematische Megatrends für die Zukunft an. Dazu gehören laut Leininger Herausforderungen wie Urbanisierung, Digitalisierung und Klimawandel. Auch der steigende Konsum in Afrika erzeuge eine Dynamik, von der die ganze Welt betroffen sei. In Folge könnten auch in Asien und Europa die Lebensmittel knapp werden. Spätestens dann müsste man sich wieder Afrika zuwenden. Dann aber sei der reiche Norden vielleicht abhängig von der Hilfe Afrikas.