Eurozone

Letzte Runde im Zypern-Poker

Ran ans Gesparte: In Athen versuchen Menschen an Bankautomaten, ihre Einlagen bei einer - nach wie vor geschlossenen - zyprischen Bank abzuheben.

BRÜSSEL. Am Wochenende entscheidet sich die Zukunft Zyperns. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wird Zypern aus der Währungsunion gedrängt?

Es ist nicht ausgeschlossen, dass es zum ersten Ausscheiden eines Mitglieds aus der Eurozone kommt. Wenn keine Einigung über die Nothilfe und ihre Bedingungen gelingt, will die Europäische Zentralbank die zyprischen Institute ab Montag nicht länger flüssig halten.

Die Großbanken Laiki und Bank of Cyprus sowie viele kleinere Institute in ihrem Gefolge wären in Kürze pleite. Statt einer geordneten Umstrukturierung und Teilabwicklung der überdimensionierten zyprischen Banken käme es zum ungeregelten Bankrott. Die Wirtschaft der Insel geriete in akute Liquiditätsnot. Das Land stünde unter schwerem Druck, aus der Währungsunion auszutreten. Rein rechtlich kann es aber dazu nicht gezwungen werden.

Warum setzt die EU Zypern so hart unter Druck?

Das Argument, die Rettung einer kleinen Volkswirtschaft mit einer geringeren Leistung als das Saarland, koste nicht die Welt, funktioniert auch umgekehrt: Die Kosten einer Nicht-Rettung wären möglicherweise ebenfalls überschaubar. Der Ansteckungseffekt würde sich im wesentlichen auf Griechenland beschränken.

Die Kreditgeber EU und Internationaler Währungsfonds (IWF) sind jedenfalls in Versuchung, an Zypern ein Exempel zu statuieren, solange dort Regierung, Parlament und Bevölkerung offenen Widerstand gegen die ausgehandelten Bedingungen für die Nothilfe leisten. Das Ganze ist aber auch ein großes Pokerspiel - nicht ausgeschlossen, dass die Zyprer in letzter Sekunde einlenken.

Was hat die EU gegen Zyperns Plan B?

Der dort geplante Solidaritätsfonds soll mit Mitteln aus den Rentenkassen, der orthodoxen Kirche, erhofften Erlösen aus der Ausbeutung der großen Gasfelder vor der zyprischen Küste und durch die Ausgabe von Anleihen gefüllt werden. Die EU-Geldgeber und der IWF haben zahlreiche Bedenken: Die Finanzierungslücke von knapp sechs Milliarden Euro werde auf diesem Wege nicht annähernd gefüllt. Ein Teil der Summe sei genauso unsicher wie einst die viel zu optimistisch kalkulierten Privatisierungserlöse im Krisenland Griechenland. Das meiste stelle nur eine Verschiebung nach dem Prinzip "linke Tasche - rechte Tasche" dar und erhöhe letztlich die Staatsschuld.

Wie soll eine Massenpanik der Sparer verhindert werden?

Die zyprischen Banken bleiben bis zum Dienstag geschlossen. Schon jetzt ist also der freie Zahlungsverkehr eingeschränkt, der zu den Errungenschaften des EU-Binnenmarkts zählt. Zu solchen Notmaßnahmen dürfen die EU-Staaten greifen, wenn "die öffentliche Ordnung oder Sicherheit" gefährdet sind. Das wird vermutlich aus Sicht der Verantwortlichen auch nach Wiederöffnung der Bankschalter am Dienstag der Fall sein. Um einer massenhaften Kapitalflucht vorzubeugen, werden Konteninhaber dann wohl nur kleinere Beträge abheben oder überweisen können.

Welche Rolle spielt Russland?

Russische Anleger sollen gut 20 Milliarden Euro bei zyprischen Banken deponiert haben., ein großer Teil ist vermutlich Schwarzgeld. Präsident Wladimir Putin versucht verstärkt, diese Mittel wieder in die Heimat zurückzuholen. Dabei könnte ihm die Schließung der Schwarzgeld-Oase Zypern helfen. Unter den Leidtragenden wären freilich auch politische Freunde des Präsidenten, gibt der Russland-Experte Hans-Henning Schröder zu bedenken.

Sony Kapoor, Chef der Brüsseler Denkfabrik Re-Define, sagt es drastischer: "Wer es mitverantwortet, dass russische Anleger rasiert werden, lebt für den Rest seines Lebens in Furcht." Außerdem ist - oder gibt sich - Moskau vergrätzt, weil es nicht in die Verhandlungen der EU über das Zypern-Paket einbezogen wurde.