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Kleine Schritte in Richtung Inklusion
Kreis-Schulausschuss: Resolution gegen Landespläne
Von Bernd Eyermann
BONN. Im Schulausschuss des Rhein-Sieg-Kreises habe sich landesweit wohl Einmaliges getan, leiteten CDU und Grüne im Kreistag ihre Pressemitteilung ein. In der Mitteilung gaben sie bekannt, dass das Gremium in einer Resolution einhellig die Inklusionspläne der Landesregierung abgelehnt habe - also auch mit den Stimmen jener SPD- und Grünen-Vertreter, deren Parteifreunde im Land regieren.
Derzeit noch nicht in allen Schulen möglich: Die Teilnahme von Rollstuhlfahrern am Regelunterricht. Foto: dpa
Der schulpolitische Sprecher der Grünen im Kreistag, Edgar Heuer, meinte: "Die jetzigen Qualitätsstandards bei der sonderpädagogischen Förderung sind in Gefahr." Das Wahlrecht der Eltern, ob sie ihr Kind in eine Förder- oder die Regelschule schicken, dürfe nicht ausgehöhlt werden.
Heuers CDU-Kollege Michael Solf hob auf die ungeklärte Finanzierung ab: "Das Land will die Inklusion umsetzen, verweigert aber den Kommunen jegliche Konnexität." Also die Übernahme von Kosten. "Massive Auswirkungen auf die Schullandschaft" hätten die Pläne, wenn sie Wirklichkeit werden würden, fasste Kreis-Schuldezernent Thomas Wagner zusammen. Kritik an den Inklusionsplänen gab es nicht nur im Kreis. Dennoch: Wahrscheinlich waren sie ein Mosaikstein dazu, dass die Landesregierung gestern Abstand von ihren Plänen nahm.
Gleichwohl machten die Kreistagsfraktionen in ihrer Resolution auch klar, dass sie gemeinsames Lernen von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Handicaps "als eine höchst wichtige, notwendige und vordringliche Aufgabe und Herausforderung unseres Bildungssystems" betrachten.
Die 19 Kommunen des Kreises gehen bei der Inklusion derzeit in unterschiedlichem Tempo voran. Bornheim und Hennef gelten als Vorreiter. "Wir haben keinen großen Inklusionsplan, sondern ein simples DIN-A3-Papier", sagte Stefan Hanraths, Erster Beigeordneter der Stadt Hennef, und fügte hinzu, es gehe darum, kleine Schritte zu gehen.
Zum Beispiel gibt es in der Verwaltung ein Bildungs- und Inklusionsbüro, das laut Hanraths eine Lotsenfunktion habe. Eine Aufgabe der dortigen Kollegin: Den Eltern der Kinder mit besonderem Förderbedarf zu ersparen, zwischen einzelnen Behörden hin und her geschickt zu werden. So kläre sie ab, wo etwa die baulichen oder technischen Voraussetzungen dafür sind, in welche Schule Behinderte gehen können. In diesen Tagen zum Beispiel für zwei hörgeschädigte Kinder, die im Sommer zu weiterführenden Schulen wechseln, berichtete Hanraths.
Die Bonner Familiendezernentin Angelika Maria Wahrheit teilte mit, mit großem Engagement hätten sich Rat, Ausschüsse und Verwaltungsspitze auf den Weg Richtung Inklusion gemacht. Als Beispiele nannte sie das Handbuch "Inklusive Bildung", die Ausweitung des gemeinsamen Unterrichts und den behindertenpolitischen Teilhabeplan. Für die Umsetzung des Inklusionsprozesses sei die Unterstützung des Landes allerdings sehr wichtig.
Artikel vom 21.12.2012
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