Kommentar zum CDU-Parteitag

Doppelfehler

Die CDU-Bundesvorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht zum Ende des Bundesparteitags der CDU in Essen die Schlussworte.

Die CDU-Bundesvorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht zum Ende des Bundesparteitags der CDU in Essen die Schlussworte.

Essen. Einen Gefallen getan hat sich die CDU zum Abschluss ihres Parteitags in der Ruhrgebietsmetropole Essen wahrlich nicht, meint GA-Korrespondent Christopher Ziedler.

Die gefühlte Wiederannäherung zwischen der Partei und ihrer Vorsitzenden vom Vortag wird am Ende überlagert von einem Beschluss zur doppelten Staatsangehörigkeit. Gegen den Willen der Parteispitze haben die Delegierten gefordert, dass Kinder ausländischer Eltern im Erwachsenenalter nicht mehr zwei Pässe haben dürfen, sondern sich für eine Nationalität entscheiden sollen.

Im konservativen Übereifer wurde das als Bekenntnis zu Deutschland verkauft. Doch es ist eine dumme Entscheidung: Die Realität in der Bundesrepublik Deutschland ist bunter, als dies die strikte Einteilung in Deutsche und Nicht-Deutsche ausdrückt. Der nach langem politischen Für und Wider eingeführte Doppelpass ist gerade für Einwandererkinder eine Möglichkeit, sich zur neuen Heimat zu bekennen, ohne die Wurzeln zu der der Eltern kappen zu müssen.

Nicht weniger unklug als der Beschluss selbst war Angela Merkels Reaktion darauf. Selbst wenn die Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende Recht hat: Der eigenen Partei einen Fehler vorzuhalten, nachdem diese sich gerade neu für ihre Chefin erwärmt hat, ist selbst ein schwerer politischer Fehler. Klüger wäre es gewesen, die Forderung hinzunehmen und im Sande verlaufen zu lassen. Weder der aktuelle noch ein künftiger Koalitionspartner nämlich wird die Reform von 2014 rückgängig machen. Die CDU hat sich einen unnötigen Doppelfehler geleistet.