Kommentar zum G20-Außenministertreffen in Bonn

Die Vernunft hat eine Chance

US-Außenminister Rex Tillerson (l.) und der russische Außenminister Sergej Lawrow stellen sich beim G20-Außenministertreffen in Bonn zum Familienfoto auf.

US-Außenminister Rex Tillerson (l.) und der russische Außenminister Sergej Lawrow stellen sich beim G20-Außenministertreffen in Bonn zum Familienfoto auf.

Bonn. Das Gipfelgeschäft ist ein mühsames, aber es ist unverzichtbar. Gut, dass es dieses Miteinander noch gibt und dass selbst verfeindete oder rivalisierende Mächte miteinander reden. Darin liegt ein Stück Hoffnung.

Der G20-Gipfel in Bonn ist ein Gradmesser für den Zustand der Welt. Die ist aus den Fugen, wie viele Beobachter nicht müde werden zu betonen. Diese Diagnose ist ohne Frage richtig. Aber eben nur ein wenig. Daneben gibt es die bisweilen ermüdenden diplomatischen Routinen wie die Gipfeltreffen.

In langen Wochen sind Papiere zu vielen Themen vorbereitet worden, in kleinen Zirkeln werden letzte Absprachen getroffen, die über Einigung oder Nichteinigung entscheiden. Das ist ein mühsames Geschäft, aber es ist unverzichtbar und ein Stück der internationalen Normalität des Miteinanders und Interessenausgleichs, der hinter den vielen Konflikten der Gegenwart kaum noch zu erkennen ist.

Gut, dass es dieses Miteinander noch gibt und dass selbst verfeindete oder rivalisierende Mächte miteinander reden. Das ist die einzige Möglichkeit, auch schwierige Konflikte zu lösen. Nicht heute in Bonn, aber irgendwann auf der langen Distanz.

Noch kennen wir keine Ergebnisse aus den vielen Begegnungen. Aber es gibt schon jetzt eine gute Nachricht. Es ist das Treffen selbst. Vom Außenministergipfel geht ein positives Signal in die Welt: Die wichtigsten Länder der Erde sitzen an einem Tisch und suchen nach Kompromissen für ganz unterschiedliche Fragen, die sie alle betreffen.

Darin liegt ein Stück Hoffnung. Die Vernunft hat eine Chance, sich durchzusetzen. Der große Aufwand, der dafür betrieben wird, ist absolut angemessen und die Sache wert. Ja, die Welt ist aus den Fugen, aber es gibt Anzeichen, dass das nicht so bleiben muss.