Interview

Daniel Bahr über die Pflege in deutschen Krankenhäusern

BONN/DÜSSELDORF.  Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr über die Pflege in deutschen Krankenhäusern, die Löhne fürs Personal und die Klinikfinanzen
'Leistungsgerechte Löhne': Daniel Bahr. Foto: dapd

Stellen Sie sich vor, Sie sind sehr alt, haben keine Angehörigen und liegen im Krankenhaus. Würden Sie sich dort gut aufgehoben fühlen?
Bahr: Ja, weil ich weiß, das Pflege und Medizin in deutschen Krankenhäusern engagierte Arbeit leisten. Das ist national und international anerkannt. Die Deutschen, die im Ausland erkranken, wollen schnellstmöglich wieder zurück, um hier behandelt zu werden. Außerdem arbeiten Krankenhäuser ständig an Verbesserungen, um zum Beispiel die Betreuung älterer Patientinnen und Patienten im Krankenhaus zu verbessern.

In praktisch allen Krankenhäusern der Republik lässt die Ausstattung mit Pflegepersonal erheblich zu wünschen übrig. Abends und am Wochenende kommen auf eine Krankenschwester mehr als 15 Patienten. Was tut die Bundesregierung konkret gegen diesen Missstand?
Bahr: Gut geschultes und motiviertes Personal ist die wichtigste Ressource für eine funktionierende Pflege. Durch das Pflegestellensonderprogramm wurden in den letzten drei Jahren rund 14.400 zusätzliche Stellen geschaffen. Und in diesem Jahr haben die Krankenhäuser mehr Geld bekommen, um die gestiegenen Tariflöhne teilweise auszugleichen.

Müssten Krankenschwestern und Pfleger angesichts ihres harten Jobs nicht deutlich mehr Geld verdienen?
Bahr: Über die Lohnhöhe entscheidet ja nicht der Minister, sondern die verhandeln die Tarifpartner von Gewerkschaften und Arbeitgebern. Das Pflegepersonal verdient für seine Arbeit leistungsgerechte Löhne, dazu stehe ich. Aber auch die Arbeitsbedingungen müssen stimmen. Auch hier gibt es bereits viele gute Beispiele: Betriebskita mit Spätunterbringung, flexible Arbeitszeitmodelle, Jobsharing. Auf unserer Internetplattform (www.pflege-krankenhaus.de) werden solche Modelle beispielhaft dargestellt.

Krankenhausleistungen werden pauschal abgerechnet, Patienten häufig zu früh entlassen, weil Betten möglichst kurzfristig neu belegt werden sollen. Gibt es falsche Anreize?
Bahr: Man hat diese Vorwürfe wissenschaftlich untersucht und dabei klar festgestellt, dass die pauschalierte Abrechnung nicht zu Qualitätseinbußen geführt hat.

Weshalb werden die Milliardenüberschüsse in der GKV nicht gezielt zur Behebung solcher Missstände eingesetzt?
Bahr: Am Geld alleine kann es aber nicht liegen. Allein im Zeitraum 2009 bis 2012 sind die Krankenhausumsätze um über 10,5 Milliarden Euro auf den Rekordwert von 60 Milliarden angestiegen.

Die Krankenhäuser behaupten, sie bräuchten mehr Geld....
Bahr: ... und die Bundesregierung hat die Finanzierung der Krankenhäuser aktuell verbessert. Die Tariflohnsteigerungen werden anteilig übernommen. Die Umsätze in Krankenhäusern steigen in 2012 und 2013 um jeweils 4 Prozent. Viele Krankenhäuser müssen mittlerweile ihre Investitionen aus ihren Umsätzen finanzieren, obwohl eigentlich die Länder zuständig sind. In den vergangenen zehn Jahren sind aber deren Investitionen um fast ein Drittel gesunken. Hier müssen die Länder ihrer Verpflichtung nachkommen.

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