Kommentar zum deutsch-amerikanischen Verhältnis

Auf Anfang

21.05.2018, USA, District of Columbia, Washington: US-Präsident Donald Trump spricht während eines Treffens mit Gouverneuren im Blue Room des Weißen Hauses über Grenzschutz und Wiederherstellung sicherer Gemeinden. Foto: Andrew Harnik/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

21.05.2018, USA, District of Columbia, Washington: US-Präsident Donald Trump spricht während eines Treffens mit Gouverneuren im Blue Room des Weißen Hauses über Grenzschutz und Wiederherstellung sicherer Gemeinden. Foto: Andrew Harnik/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Washington. Donald Trump schafft neue Regeln und stellt alte Partnerschaften in Frage. Zeit für Europa, sich zu emanzipieren, findet GA-Korrespondent Holger Möhle.

Die nächste Kaltfront kommt bestimmt. Es stand schon einmal besser, erheblich besser um die deutsch-amerikanische Partnerschaft. Die alte Schutzmacht USA, über Jahrzehnte mit klarer, beinahe unverbrüchlicher Bindung an das alte Europa, schickt seit mehr als einem Jahr ein Tief nach dem anderen über den Atlantik. Viele Regeln gelten nicht mehr, seit US-Präsident Nummer 45 der Welt seine Spielregeln aufzwingen will und dazu bewährte Partnerschaften in Frage stellt, Allianzen ignoriert und überhaupt seither jede Menge politisches Porzellan zerschlagen hat. Donald Trump, der egozentrische Zerstörer, schert sich nicht um Absprachen oder gar Verträge, die er nicht selbst geschlossen hat.

Deal oder no Deal? Das ist die Kategorie, in welcher der Anti-Politiker denkt, der es zum US-Präsidenten geschafft hat. Trump wechselt Spitzenpersonal in atemberaubendem Tempo aus. Wer sich nicht unterwirft, wird gefeuert. Im März musste Rex Tillerson die Demütigung erfahren, dass er, der Präsident, ihn, den Außenminister, gefeuert hat. Via Twitter, dem neuen Regierungsinstrument. Tillerson hatte Trump wieder und wieder darauf hingewiesen, dass beispielsweise die Militärallianz der Nato auch im amerikanischen Interesse und gar nicht obsolet sei, als die der US-Präsident das Bündnis zunächst verunglimpft hatte.

Wenn der deutsche Außenminister Heiko Maas an diesem Mittwoch in Washington bei Mike Pompeo, Trumps nächstem Kandidaten an der Spitze des US-State Department, seinen Antrittsbesuch macht, wäre eine funktionierende Arbeitsbeziehung schon ein schönes Ziel. Ex-CIA-Direktor Pompeo gilt wie Trumps neuer Sicherheitsberater John Bolton als Scharfmacher, gegen die mancher Falke unter den US-Republikanern noch als Taube daherkommt. Europa ist nicht mehr ganz so wichtig. Alles auf Anfang. Diese Lektion jedenfalls sollten Europa und Deutschland sehr schnell lernen.

Vor zwei Wochen erst mussten Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wie auch Bundeskanzlerin Angela Merkel erneut lernen, dass bei Trump weder Charmeoffensive (Macron) noch nüchterne Analyse (Merkel) bei Trump (und damit bei seinem Gefolge) wirken. Trump hört nur auf einen: auf Trump. Verträge werden gekündigt, wenn sein Vorgänger im Präsidentenamt, Barack Obama, sie geschlossen hat. Weg mit dem Weltklimaabkommen, weg mit dem Iranabkommen, irgendwie auch weg, jedenfalls in die Strafecke, mit Deutschland und Europa.

So merkwürdig es klingen mag: In exakt dieser Lage besteht für Merkel, Maas und Co. auch eine Chance für Neuanfang und Selbstbestimmung. Aus europäischer und deutscher Sicht wird und muss die Partnerschaft mit den USA immer zentral für die eigene Sicherheit bleiben. Diese aufzukündigen, käme einem Unfall mit Ansage gleich. Trotzdem müssen Deutschland und Europa mutiger, selbstbewusster und eigenständiger werden. An einer solchen Emanzipation Europas kann die transatlantische Partnerschaft auch wachsen. Und die Zeit, in der ein US-Präsident nicht mehr Donald Trump heißt, kommt garantiert.