Hitzefrei oder nicht?

Schulen in NRW ringen in dieser Woche mit der Hitze

Symbolfoto: Kinder laufen vor einer Tafel mit der Aufschrift "Hitzefrei" vorbei.

Symbolfoto: Kinder laufen vor einer Tafel mit der Aufschrift "Hitzefrei" vorbei.

Düsseldorf . An den meisten Schulen in NRW wird es in den nächsten Tagen Hitzefrei geben, aber das gilt nicht für alle Schüler. Die Gebäude müssen laut GEW dringend energetisch saniert werden.

Vor der voraussichtlich heißesten Woche in NRW seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen laufen auch die Vorbereitungen in den Schulen auf Hochtouren. Vielerorts haben Schulleiter bereits für die nächsten Tage Hitzefrei angeordnet. Laut einem Erlass des Schulministeriums kann jeder Schulleiter selbst entscheiden, wann Hitzefrei gegeben wird. Darin wird als Anhaltspunkt eine Raumtemperatur von 27 Grad Celsius genannt. Aber: „Beträgt die Raumtemperatur weniger als 25 Grad Celsius, darf Hitzefrei nicht erteilt werden“, heißt es in dem Erlass.

NRW zählt damit zu den Bundesländern, die eine konkrete Temperatur vorgeben. In Niedersachsen oder Rheinland-Pfalz hingegen können die Schulleiter frei entscheiden, ob die klimatischen Verhältnisse Unterricht noch zulassen.

Auf verminderte Leistungsfähigkeit Rücksicht nehmen

Zu beachten ist in NRW auch, dass Grundschüler und Schüler der Klassen fünf und sechs nur nach Absprache mit den Eltern vor dem regulären Unterrichtsschluss entlassen werden dürfen, weil die Schule ihre Aufsichtspflicht erfüllen muss. Dabei muss der Schulleiter auch Fahrpläne von Schulbussen berücksichtigen. An Ganztagsschulen gibt es aufgrund der Betreuungspflicht grundsätzlich kein Hitzefrei.  Statt zu unterrichten, sollen die Lehrer ein anderes Programm anbieten.

Auch Schüler der Sekundarstufe II, also der Klassen zehn bis zwölf, erhalten kein Hitzefrei. Nur wenn einem Schüler gesundheitliche Beschwerden drohen, können Lehrer eine Ausnahme machen. In dieser Woche kommt in NRW erschwerend hinzu, dass viele Abiturienten in ihre mündlichen Nachprüfungen gehen. Für jüngere Schüler hingegen gilt, dass Klassenarbeiten möglichst nicht geschrieben werden sollen. „Auf die bei hohen Temperaturen verminderte Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler ist Rücksicht zu nehmen“, heißt es in dem Erlass weiter.

Lehrer haben Fürsorgepflicht

Aus Sicht der GEW-Landesvorsitzenden Maike Finnern ist insbesondere der Unterricht in den als Provisorien gedachten Containern unzumutbar: „Die Hitze dort ist kaum erträglich.“ Die Gewerkschafterin sieht großen Nachholbedarf bei der energetischen Sanierung der Schulen im Land: „Viele Schulgebäude sind nicht ideal; sie haben große Glasfronten, oder es handelt sich um schlecht isolierte Altbauten.“ Den bundesweiten Sanierungsstau an Schulen bezifferte Finnern auf 34 Milliarden Euro, mindestens 20 Prozent davon entfielen auf NRW. Die geltenden Regelungen hält Finnern für sinnvoll. Auch dass Lehrer nicht hitzefrei bekommen, sondern die Zeit ohne Schüler für Konferenzen oder andere Tätigkeiten nutzen sollen, findet sie richtig.

Grünen-Schulpolitikerin Sigrid Beer erinnerte die Lehrer an ihre Fürsorgepflicht. Schon ab der ersten Stunde müssten die Schüler genug Wasser zum Trinken auch im Unterricht zur Verfügung haben. Bei Schülern, die auf den Ganztag angewiesen seien, müsse es genug schattige und möglichst kühle Räumlichkeiten auch zum Ruhen geben. Wichtig sei, dass die Eltern frühzeitig über Hitzefrei informiert würden. Beer forderte die Schulministerin auf, über den Erlass hinaus an den Tagen mit erwartbaren Spitzentemperaturen von bis zu 40 Grad landesweit rechtzeitig hitzefrei anzuordnen. Auch SPD-Schulpolitiker Jochen Ott mahnte, die Kinder an einem kühlen Platz zu betreuen. Es sei richtig, dass individuell vor Ort über Hitzefrei entschieden werde.