Bachelor bei RTL

So lebt Jan Kralitschka in Bad Honnef

BAD HONNEF. Für Fans der Sendung ist er der Traummann mit Tiefgang, für Kritiker oberflächlicher Schönling in einer seichten "Kuppel-Show". Fakt ist: Mehr als vier Millionen Menschen schauten am Mittwoch zu, als Jan Kralitschka in Südafrika vor mondän-exotischer Kulisse die Suche nach seiner Traumfrau fortsetzte.

Privat lebt der RTL-Bachelor in Bad Honnef an einem wunderschönen stillen Fleckchen, das schon Komponist Johannes Brahms und Dichter Karl Simrock begeisterte. In lässiger Kluft kommt uns der Bachelor entgegen. Ein Naturbursche, kein Glamourtyp, zweifellos.

Einer, der mit einem etwas verdreckten rumpeligen Jeep nach Bad Honnef zum Einkaufen oder ins Fitnesscenter hinunterfährt, viel Sport treibt, den Rheinsteig mag, ein Mann, der hier und jetzt keine Rosen parat hat, aber einen Kaffee aus der Pad-Maschine statt aus dem Designervollautomaten.

Inzwischen ist seine Brautschau abgeschlossen und der 36-Jährige zurück zu Hause, wenn er nicht gerade beruflich als Model für Fotoproduktionen unterwegs ist. Am Mittwoch zur zweiten Bachelor-Folge ging es auf Löwensafari. Mit einer der Schönen, Katie, sprang Jan Kralitschka vor imposanter Felsenlandschaft Bungee. Eine ungewöhnliche Strategie zur ernsthaften Partnersuche. Was ihn dazu brachte?

[kein Linktext vorhanden]Warum er, nachdem er in einem Düsseldorfer Club von einem Scout der Bachelor-Produktionsfirma angesprochen worden war, auf das skurrile Angebot des Liebesreigens vor Kameras eingegangen ist? "Mein vorrangiges Ziel war, eine tolle Zeit zu erleben und die Chance zu haben, die Frau fürs Leben zu finden", beteuert der Bachelor.

Charakter sei ihm dabei wichtiger als Optik: "Schönheit vergeht", konstatiert der ledige 36-Jährige, Vater eines 14-jährigen Sohnes und einer dreijährigen Tochter aus zwei gescheiterten Beziehungen.

Seit zweieinhalb Jahren bewohnt er das noch sanierungsbedürftige Honnefer Gehöft, viele Einrichtungsstücke stammen vom Bonner Rheinauen-Flohmarkt und belgischen Flohmärkten. Das Siebengebirge lernte Kralitschka lieben, seit er ab 2006 in Bonn lebte und in der Freizeit das klassische Ziel vieler Kölner und Bonner, die Margarethenhöhe, ansteuerte. Als das Gehöft auf dem Immobilienmarkt angeboten wurde, griff er zu. "Kralitschka - Rechtsanwalt" steht auf dem goldenen Klingelschild.

[kein Linktext vorhanden]Vorerst ist keine Auserwählte auf dem idyllischen Anwesen mit Brunnen und Bruchsteingemäuer eingezogen. Darf sie auch (noch) nicht, denn dann wäre die Katze ja aus dem Sack. Keine Spur also von Katie, Melanie oder Mignon oder einer anderen Schönen. Ob er "sie" gefunden hat? Schweigen. "Das darf er noch nicht verraten", wirft RTL-Pressesprecher Konstantin von Stechow ein.

Bis zum großen Finale in fünf Wochen sollen die Zuschauer mitfiebern. Die ersten Groupies standen schon am Tor und riefen "Jan, komm raus". Autogrammkarten hat der Bachelor dennoch keine. "Ich bin ja kein Star, kann weder singen noch tanzen." Das hat er den Mädels, die kamen, um ihn anzuhimmeln, auch versucht klarzumachen: "Ich bin doch nicht aus einer Boygroup." Doch sonst begegnet ihm im Siebengebirge viel Gelassenheit: "Man hat keinen besonderen Nimbus."

Kritik am Niveau der Show ficht den Bachelor nicht an: "Ich sehe mich nicht als Bildungsbeauftragten des deutschen Fernsehens." Sondern als jemand, der auch Männer anregen will "mehr zu träumen und nach schönen Dingen zu streben", auch nach Romantik. Für schöne Dinge ist er selbst zumindest immer aufgeschlossen: Als Männer-Model gut gebucht, jettet er etwa für Katalogbilder an Plätze in Kapstadt, Miami und auf die Balearen.

[kein Linktext vorhanden]Zurück in Honnef, wälzt er juristische Akten, denn seinen Job als Anwalt, speziell für Medienrecht, macht er weiter. Anspruchsvolle Lektüre liegt auf dem knorrigen Holztisch neben der Couch: "Die narzisstische Gesellschaft" von Hans-Joachim Maaz etwa gefällt dem Bachelor. Eben hat er im Bad noch Rohre verlegt, den Bollerofen mit Holz bestückt. Wer dem Bachelor draußen begegnen will, muss flott und Naturfreund sein, denn die Strecke zu seinem Lieblingsplatz, dem Leyberg, joggt er in 20 Minuten stramm hinauf und in zehn Minuten wieder hinunter.

Heute, erzählt Jan Kralitschka, hat er zwei Archäologinnen getroffen. Es ging darum, Grundmauern ehemaliger Weingüter am Menzenberg ausfindig zu machen. Die Damen kümmerte es nicht, den Bachelor vor sich zu haben: "Die haben gar nichts dazu gesagt."