Fernsehkritik

Ein Netz voll trauriger Menschen im Dresdner Tatort

Henni Sieland (A. Höfels, l.) und Karin Gorniak (K. Hanczewski) suchen den Mörder von Doro Meisner.

Henni Sieland (A. Höfels, l.) und Karin Gorniak (K. Hanczewski) suchen den Mörder von Doro Meisner.

BONN. Der Dresdener Tatort überzeugt weder mit der Handlung noch mit den Dialogen. Das findet unser GA-Redakteur Christoph Meurer, der ihn vorab gesehen hat.

Der Tod kam aus dem Internet. Doro Meisner (Svenja Jung) wird ermordet. Der Täter war vermutlich ein Mann, den die 22-Jährige auf einem Online-Dating-Portal kennengelernt hat. Dort soll die junge Frau unter den Namen "Birdy" Männer um Geld betrogen haben. Hat sich einer von ihnen nun gerächt?

Zwar haben die Kommissarinnen Henni Sieland (Alwara Höfels) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski) schnell zwei Verdächtige ausgemacht, allerdings fehlen die Beweise. Um diese zu finden, begeben sich die Ermittlerinnen verdeckt ans Werk - sehr zum Ärger ihres Vorgesetzten, Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel (Martin Brambach). Vom Schwung besonders der ersten beiden Folgen des Dresdener Tatorts ist in der Episode "Wer jetzt allein ist" nicht mehr viel übrig.

Die Dialoge sind größtenteils hölzern, nur Brambach als herrlich sympathisch-unsympathischer Chef weiß noch zu überzeugen. Die Handlung ist zunächst schnell und sprunghaft, verliert sich dann aber in Nebensächlichkeiten. Allen Beteiligten sollte man wünschen, dass die Szene, in der sich Sieland und Gorniak in die Welt des Online-Datings begeben, ironisch gemeint ist. Das Ende ist dramatisch, wobei die Ermittlerinnen zur Lösung des Falls nicht viel beitragen. Das ist eher Zufall.

Bereits Ende 2017 war bekanntgeworden, dass Höfels den Tatort verlassen wird. Schade eigentlich. Schließlich hatte das Ermittlerinnen-Duo wirklich Potenzial. Davon ist aber nichts mehr zu sehen. Ein Neustart könnte der Dresdener Reihe guttun.

ARD, Pfingstmontag, 20.15 Uhr