Konzert in der Kölner Philharmonie

Starpianist Igor Levit begeistert mit Beethoven

Lyrische Ader: Pianist Igor Levit.

Lyrische Ader: Pianist Igor Levit.

Köln. Das Orchestre National de France spielt unter der Leitung von Dirigent Alain Altinoglu außerdem Musik von Maurice Ravel und Igor Strawinsky.

Ein bisschen schleicht sich der Pianist Igor Levit in das vierte Klavierkonzert von Ludwig van Beethoven hinein, wenn er den G-Dur-Akkord des Anfangs nicht einfach in den Raum stellt, sondern ihn, vom originalen Notentext abweichend, sanft arpeggiert. Levit, der längst zu den prominentesten Pianisten der noch jungen Generation der knapp über 30-Jährigen zählt, genehmigt sich hier und da gern ein paar Freiheiten. Er kann es sich leisten, weil er es mit Geschmack tut, und das Werk dabei nicht gewaltsam seinem künstlerischen Ego unterwirft. Was er im Übrigen auch mit dem Orchester nicht tut. Beim Konzert am Sonntagabend in der Kölner Philharmonie zelebrierte er mit dem Orchestre National de France unter der Leitung von Alain Altinoglu ein Zusammenspiel auf Augenhöhe. Levit, der die lyrische Stimmung des Satzes sehr detailverliebt herausarbeitet, spielt sich im ersten Satz nicht in den Vordergrund. Vielleicht ein Grund, weshalb er sich von den beiden aus Beethovens Hand überlieferten Kadenzen für die kürzere und weniger auf virtuose Show angelegte entschied.

Im zweiten Satz, dem Andante con moto, geht es freilich nicht ohne ein bisschen Aggression. Die geht allerdings vom Orchester aus, das ein düsteres, bedrohliches Unisonothema vorstellt, dem das Klavier ein lyrisches Thema gegenüberstellt. Man hat in diesem Prinzip seit Beethovens Tagen die Orpheus-Sage erkannt, der mit seinem Gesang die Mächte der Unterwelt besänftigt. Für diese pazifistische Strategie ist Levit genau der richtige Mann. Sein Spiel ist von so exquisiter Zartheit, von solch wunderbarem Sanftmut, dass der langsam weichende Widerstand des Orchesters überaus nachvollziehbar wird. Im Finale dann ließ Levits Spiel pure Lebensfreude spüren, die vom Orchester federnd sekundiert wurde.

Schumann als Zugabe

Die Zugabe nach heftigem Applaus wurde ein bisschen zum Scharnier zur zweiten Konzerthälfte. Levit nämlich verschmolz die beiden letzten Stücke aus Robert Schumanns „Kinderszenen“ – „Kind im Einschlummern“ und „Der Dichter spricht“ – zu einer überaus zart gespielten Einheit. Auch bei Maurice Ravels Märchensammlung „Ma mère l'oye“ handelt es sich ursprünglich um Klavierstücke, die die Kindheit thematisieren. Die von Ravel selbst erarbeitete erweiterte Orchesterfassung ist freilich so farbig in Szene gesetzt, dass ihre Herkunft vom Klavier kaum noch zu erahnen ist. Die Musiker hatten offenbar große Freude an den Klängen, die von Bläsern und Schlagwerk ihre besondere Farbe erhalten. In diesem märchenhaften Garten aus blühenden Klangfarben hätte man noch länger verweilen mögen.

Doch es folgte noch die farblich ebenfalls sehr reich ausgestaltete, in der Dynamik aber ungleich stärkere Suite aus Igor Strawinskis Ballett „Der Feuervogel“, die mit den geheimnisvollen Klängen der tiefen Streicher beginnt und irgendwann im Tanz des bösen Zauberers Kastschej regelrecht explodiert. Das Orchester bot da eine packende Interpretation. Als Zugabe spielten sie noch – ein bisschen zu holzschnittartig – die Farandole aus Georges Bizets „L'arlesienne“.