Konzert in der Philhamonie

Jubel statt Zwischenrufe

Glückliche Kombination: Cembalist Mahan Esfahani bei der Probe in der Kölner Philharmonie.

Glückliche Kombination: Cembalist Mahan Esfahani bei der Probe in der Kölner Philharmonie.

Köln. Der Cembalist Mahan Esfahani wiederholt sein Skandalkonzert in der Kölner Philharmonie und erntet Applaus für Steve Reichs „Piano Phase“.

Einen „kleinen Vorfall“ habe es bei seinem Konzert im Februar 2016 gegeben, meinte der Cembalist Mahan Esfahani. Reines Understatement. Damals hatte Esfahani zusammen mit Concerto Köln unter dem Stichwort „Time Present And Time Past“ ein Programm aus Barockem und Musik des 20. Jahrhunderts auf die Bühne gebracht. Das ging auch eine Weile lang gut, bis dann bei Steve Reichs „Piano Phase“ von 1967 einem Teil des Publikums der Kragen platzte.

Man fühlte sich ästhetisch überfordert, das Konzert des Iraners wurde unterbrochen, erst durch Applaus, dann durch Zwischenrufe. Esfahani, der Reichs Musik noch vorab erklärt hatte, musste unterbrechen und fragte – auf Englisch –, was man denn habe. Besonders die Antwort aus dem Publikum „Sprechen Sie Deutsch“ machte damals global die Runde durch die Medien und diverse Kultur-Blogs.

Die Stimmung war auf dem Siedepunkt, und Esfahani musste di-plomatisches Geschick spielen lassen, um den Tumult in Grenzen zu halten. Erst mal von der Bühne, dann mit ein paar verbindlichen Worten zurück, dann weiter mit Carl Philipp Emanuel Bach. Reichs „Piano Phase“ blieb damals Fragment. Intendant Louwrens Langevoort hatte Esfahani spontan zu einem weiteren Konzert nach Köln eingeladen. Das hat jetzt am Mittwoch stattgefunden. Den Untertitel „Mahan Esfahani erklärt Steve Reich“ haben wir mit einem Grinsen registriert. „Dein Reich komme noch mal“ wäre auch ein schöner Titel gewesen. Esfahanis Erklärungen waren an diesem Mittwoch auf Deutsch, so wie es 2016 der unverschämteste Zwischenrufer gefordert hatte. Und sie sind knapp ausgefallen: Man möge ihn doch bitte in Frieden spielen lassen, auch wenn einem das Stück nicht schmecken würde. Mehr muss man dazu auch nicht sagen. Während Reichs „Piano Phase“ blieb alles brav, danach stürmischer Applaus. Reich ist angekommen in Köln, Esfahani auch. Diesmal hat er Altes und mehr oder weniger Neues auch mit einem glücklicheren Händchen kombiniert als damals. Bachs „Musikalisches Opfer“ und die Orgelfantasie des knapp 100 Jahre älteren Charles Racquet vertrugen sich gut mit der feingliedrigen Intelligenz von Henri Dutilleux' „Citations“ und den drei Steve-Reich-Stücken des Abend: „Clapping Music“, „Music for Mallet Instruments“ und natürlich „Piano Phase“ in der von Reich selbst autorisierten Cembalo-Fassung. Esfahani spielt als Zugabe gerne eine Purcell-Chaconne, vielleicht um noch mal klarzumachen, dass es repetitive Elemente in der Musik nicht erst seit Reich gibt.

Offenbar ist es angesagt, mit Esfahani die Bühne zu teilen. Hille Perl (Gambe), Daniela Lieb (Traversflöte), Petra Müllejans (Violine), dazu Mitglieder des Ensemble Modern – was für eine Besetzung. Und man sollte nicht vergessen, dass Esfahani selbst auch ein exzellenter Cembalist ist. Musikalisch konnte also praktisch nichts schiefgehen. Ist es auch nicht.

Jedenfalls sah man an diesem Abend viele junge Gesichter in der Philharmonie. Vielleicht sind sie wegen Reich gekommen und mit Respekt vor Bach gegangen. Was wäre daran verkehrt?