Arp-Museum

Ausstellungsjahr 2014 steht unter dem Motto "Menschliche Dimensionen"

REMAGEN. Vor einem Jahr spielte das Wetter prächtig mit: Winterwunderland am Rhein, und im Arp-Museum Bahnhof Rolandseck in Remagen zogen winterliche Impressionisten mit der herausragenden - und sehr teuren - Ausstellung "Lichtgestöber" aus der Sammlung Rau Besucher in ihren Bann.

65.000 Kunstfreunde kamen zu dieser von November 2012 bis April 2013 laufenden Ausnahme-Schau, die dem Arp-Museum Rückenwind für das Ausstellungsjahr verschaffte: "Es war das beste Jahr seit Eröffnung des Museums im Jahr 2005", jubelt Museumschef Oliver Kornhoff. 82.000 Besucher kamen 2013, im Jahr zuvor waren es 70.000. Kornhoff fühlt sich bei seinem Kurs bestätigt, eng verzahnt ein Motto-getriebenes Jahresprogramm für Kunst, Literatur und Musik zu konzipieren und anzubieten. Die Rechnung ist aufgegangen.

Einen Tiefschlag gab es 2013 dennoch: Das Kinderhilfswerk Unicef, Erbe der Sammlung Rau, versteigerte für insgesamt 43 Millionen Euro Werke aus der Sammlung, darunter etliche, die im Arp-Museum gezeigt wurden. Spektakulärster Fall: El Grecos "Domenicus", der für 9,4 Millionen Euro den Besitzer wechselte. "Es ist ein großer Verlust", meint Kornhoff, "aber wir sind entschädigt worden."

Für 2014 rechnet der Museumschef nicht mit weiteren Abgängen aus der bis 2026 in Rolandseck beheimateten Sammlung, die einen festen Platz im Arp-Ausstellungskalender hat: Im Mai etwa wird die Kunstkammer Rau mit "Leibhaftig. Der menschliche Körper zwischen Lust und Schmerz" wieder öffnen, sicherlich einer der Höhepunkte des Jahres mit Werken von Meistern der Antike bis zu Damien Hirst und Kunst der Gegenwart. Das Jahresthema "Menschliche Dimensionen" wird hier um die Facetten des Opfers, des Leidens und der Gewalt erweitert - Rolandsecks Beitrag zum Jubiläum hundert Jahre Ausbruch des Ersten Weltkriegs.

Die "Menschlichen Dimensionen" werden durch die erste deutsche Werkschau des 60-jährigen Brasilianers Ernesto Neto gesprengt: Er wird sich ab September im gesamten Neubau von Richard Meier mit seinen biomorphen, wuchernden Textilobjekten ausbreiten und Hausparton Hans Arp und dessen organischer Kunst im übertragenen Sinn die Hand reichen. Arp höre da auf, wo er anfange, hat Neto einmal gesagt.

Der Patron Arp und seine Frau Sophie Taeuber-Arp werden ab 9. Februar mit einer Neusortierung der Rolandsecker Sammlung gewürdigt. Als Gast hat Alexej von Jawlensky die Hände mit im Spiel: Alle Drei lernten sich 1917 kennen und mochten sich auf Anhieb. Die Eröffnung der Freunde-Schau unter dem Motto "AufDADAtakt" und mit umfangreichem, ganztägigem Programm für die ganze Familie ist der Startschuss für das Ausstellungsjahr 2014.

Als wahre Wundertüte hat das Arp-Museum die Ausstellung "Rapunzel & Co. Von Türmen und Menschen in der Kunst" im Programm. Es geht dabei um Gewaltvisionen und Allmachtsfantasien, um Dominanz und Überblick. Stichwortgeber sind die Arp-Skulptur "Turmmensch Trier", eine Heilige Barbara aus dem 15. Jahrhundert mit ihrem Attribut, dem Turm, und das Gemälde "Turmbau zu Babel" von Jan Brueghel d. J. aus dem 17. Jahrhundert. Von da ausgehend erschließt die Schau die Kunst bis in die Gegenwart. Kornhoff verspricht hier "viel junge Kunst", die ansonsten im Ausstellungsjahr 2014 eher unterrepräsentiert ist.

Ferner gibt es viel Überraschendes. Etwa eine Begegnung mit dem einer Dynastie von Herrgottschnitzern entstammenden Südtiroler Aron Demetz, der seine lebensgroßen, melancholischen Figuren in den Bahnhof stellt. Eine Konfrontation mit neueren Medien wie Foto und Video verspricht eine Werkschau der in Köln lebenden Ursula Wevers, die gerade 70 wurde. Der Informel-Maler K. O. Götz steuert gar auf die Hundert zu. Im Februar will ihn das Arp-Museum mit einer Feierstunde ehren.