Tatort am Sonntag

Die quälende Frage nach dem Warum

Klaus Borowski (Axel Milberg) am Boden. Die Suche nach dem Täter verlangt ihm einiges ab.

Klaus Borowski (Axel Milberg) am Boden. Die Suche nach dem Täter verlangt ihm einiges ab.

Bonn. "Borowski und das Fest des Nordens" ist eine Tatort-Folge voller Leerstellen, aber dennoch glänzend erzählt, meint GA-Redakteur Christoph Meurer.

Der letzte Tatort vor der Sommerpause ist nichts für Zuschauer, die sich gerne selbst als Ermittler betätigen. Schließlich wird kein Geheimnis daraus gemacht, wer der Täter ist. Vielmehr sind die Kommissare Klaus Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) gefordert, den Mörder Roman Eggers (genial gespielt von Misel Maticevic) im Trubel der Kieler Woche zu finden. Und vor allem gilt es zu ergründen, warum Familienvater Eggers die schrecklichen Dinge tut, mit denen Ermittler und Zuschauer konfrontiert werden.

So stehen in der aktuellen Tatort-Folge aus Kiel nicht das Wer und das Wie im Vordergrund der Handlung, sondern das Warum: Warum handelt Eggers so? Aber auch: Warum führen Borowski und Brandt die ganze Zeit über einen lautstarken Kleinkrieg gegeneinander? Dabei könnte man meinen, dass Borowski und Eggers zwei Spielarten übersteigerter Männlichkeit darstellen. Seinen Höhepunkt findet dieses maskuline Drama, als Kommissar und Täter aufeinandertreffen.

Regisseur Jan Bonny und Drehbuchautor Markus Busch - der eine Vorlage des 2015 gestorbenen Starautors Henning Mankell bearbeitet hat - haben bewusst einen Tatort voller Leerstellen vorgelegt. Da sind zum einen die Lücken und Brüche im Leben und Handeln der Figuren. Das wird zum anderen durch die scharfen Schnitte und kleinen Sprünge in der Handlung unterstützt. Alles in allem kommt die Folge unprätentiös, aber glänzend daher.

Für Kommissarin Sarah Brandt ist es überdies der letzte Fall. Anfang Februar hatte Sibel Kekilli angekündigt, den Tatort zu verlassen. Nun ist Schluss.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr. Mehr zum Thema Tatort unter ga-bonn.de/tatort.