Filmverbot an "stillen Feiertagen"

Darum ist "Heidi" an Karfreitag im Kino verboten

Tabu an den "stillen Feierttage": Heidi in den Bergen

Tabu an den "stillen Feierttage": Heidi in den Bergen

Bonn. Rund 700 Filme dürfen an "stillen Feiertagen" wie Karfreitag in Deutschland nicht im Kino gezeigt werden. Der Grund ist ein jahrzehntealtes Verbot, das auch heute noch gilt. Die Hintergründe.

Was haben die Filme "Heidi in den Bergen", "Das Leben des Brian", "Ghostbusters" und "Max und Moritz" gemeinsam? Sie alle sind Filme, die das "religiöse und sittliche Empfinden" an stillen christlichen Feiertagen verletzen können - und deshalb an Karfreitag nicht öffentlich gezeigt werden dürfen. So haben zumindest Prüfer der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) entschieden, die über die Altersfreigaben für Filme bestimmen.

"Heidi", der Cartoonklassiker von 1975, der den "ernsten Charakter" der stillen Feiertage nicht gewahrt? Wir erinnern uns schnell an die Geschichte des Films: Das fünfjährige Waisenkind Heidi wächst bei ihrer Tante auf. Als die jedoch eine Stelle in der Stadt annimmt, bringt sie Heidi bei ihrem Großvater in den Schweizer Alpen unter. Der Alm Öhi, ein mürrischer alter Mann, ist davon zunächst gar nicht begeistert. Doch dem natürlichen Charme der Kleinen kann er nicht lange widerstehen. Heidi blüht auf und freundet sich mit dem Ziegenhirten Peter an. Aber: Eines Tages wird sie wieder von ihrer Tante geholt und nach Frankfurt gebracht, wo sie der gehbehinderten Klara Gesellschaft leisten soll.

Seit 2001 darf "Heidi in den Bergen" nicht mehr an Karfreitag gezeigt werden. Dieser Film sei geeignet, das "religiös sittliche Empfinden an stillen christlichen Feiertagen zu verletzen", so die FSK.

Kinderfilme, Klassiker und Horrorstreifen betroffen

Die FSK-Prüfer halten daneben auch andere, augenscheinlich harmlose Filme für nicht "feiertagswürdig", darunter auch weitere Kinderfilme wie "Max und Moritz", "Kalle Blomquist" und "Nick Knatterton's Abenteuer". Insgesamt gilt das Verbot für rund 700 Filme, wie die FSK auf ihrer Internetseite darlegt.

Auf der Liste finden sich zwar auch Horrofilme wie "Nachts, wenn die Zombies schreien", "Blutrausch der Zombies" oder "Jungfrau unter Kannibalen", doch eben auch vermeintlich harmlose Klassiker wie "Der Dicke in Mexiko", "Piratensender Powerplay" mit Thomas Gottschalk, "Didi - der Doppelgänger" mit Didi Hallervorden oder auch der Monty-Python-Klassiker "Das Leben des Brian".

Regelung "sicherlich diskussionswürdig"

Doch stehen sie tatsächlich im Widerspruch zum Sinn der "stillen Feiertage"? Der Landtagsabgeordnete Patrick Breyer von der Piratenpartei Schleswig-Holstein forderte bereits im vergangenen Jahr die Abschaffung der FSK-Feiertagszensur: "Die FSK-Feiertagsentscheidungen erscheinen widersprüchlich, willkürlich und beliebig." Und weiter: Die Feiertagszensur von Filmvorführungen sei im Zeitalter von Video und Internet völlig wirklichkeitsfremd und gehöre deshalb dringend abgeschafft.

Auch die FSK hat sich im Zuge dessen ebenfalls zum Verbot geäußert. Für die Organisation ist es ebenfalls "sicherlich diskussionswürdig, inwieweit diese Regelung insgesamt noch als zeitgemäß empfunden wird. Hier wären ein gesellschaftlicher Diskurs und der Gesetzgeber gefragt."

Nur zwei Titel waren 2016 betroffen

Tatsächlich stammt das Verbot im Kern von 1952 - und wurde in den vergangenen Jahrzehnten immer weniger angewendet. Wurden in den ersten Jahren bis 1959 noch 60 Prozent der Kinofilme als "nicht feiertagsfrei" eingestuft, erhalten seit 2000 jährlich nur etwa ein Prozent von ihnen keine Feiertagsfreigabe. Im vergangenen Jahr wurden bloß die beiden Kinofilme "Evas Zorn" und "Hardcore" als "nicht feiertagsfrei" eingestuft, wie die FSK auf Anfrage mitteilte. Das entspreche 0,36 Prozent der Titel.

Im Laufe der Jahre können sich auch Einstufungen ändern, wie bei "Die Feuerzangenbowle". 1954 wurde der Film als "nicht feiertagsfrei" eingestuft, da der „lustspielhafte Charakter“ nach Auffassung des Prüfausschusses dem Ernst der stillen Feiertage widersprach. Bei einer erneuten Prüfung 1980 wurde der Film dann für öffentliche Vorführungen freigegeben.

Verbot gilt nur fürs Kino

Dies hänge auch nach Angaben der Organisation auch mit den Zugangs-Möglichkeiten zusammen, Filme zu sehen. Heute können Zuschauer Filme nicht nur im Kino oder im Fernsehen, sondern auch über Blu-ray, DVD oder auch Streaming- und Video-On-Demand-Angeboten sehen.

Das Feiertagsverbot der Film gilt im Übrigen nur für die Vorführung im Kino, nicht jedoch über die anderen Kanäle. Führt ein Kinobetreiber einen der gelisteten Filme trotzdem an Karfreitag und Co. vor, muss er mit einer saftigen Geldstrafe rechnen.