Brahms' "Deutsches Requiem" in der Bonner Beethovenhalle

Wucht und Innigkeit

BONN. Anders als die der Liturgie dienende lateinische Totenmesse folgt das "Deutsche Requiem" von Johannes Brahms keinem vorgegebenen Schema, sondern vertont vom Komponisten selbst ausgewählte Texte des Alten und Neuen Testaments in der Luther-Übersetzung.

Dem Hamburger Protestanten Brahms ging es in seinem Requiem nicht ums Jüngste Gericht, welches den Verstorbenen angedroht ist, sondern - dem Reformator Luther folgend - mit dem Gedanken der Auferstehung um die Tröstung der Hinterbliebenen. Hier beschwören die Posaunen kein Fegefeuer sondern blasen zum Triumph über den irdischen Tod.

In einer intensiv anrührenden Interpretation war dieses Werk beim Karfreitagskonzert des Beethoven Orchesters zu erleben. Dirigent Christof Prick bleibt der sorgfältig ausgehorchten Partitur keine Nuance schuldig, wobei es ihm großartig gelingt, jene Balance zwischen Wucht und Innigkeit bei Orchester, Chor und Solisten zu schaffen, die den musikalischen Text auf geniale Weise exemplarisch sinnfällig macht.

Mit der von Thomas Neuhoff und seinem künftigen Nachfolger Paul Krämer glänzend präparierten Hundertschaft des Philharmonischen Chors der Stadt Bonn stand zudem ein exakt intonierender und exzellent artikulierender Klangkörper zur Verfügung. Glücklich erwiesen sich auch die Solisten, Ute Selbig, Sopran, deren "Ihr habt nun Traurigkeit" zu Tränen rühren konnte, und Jochen Kupfers tenoral lyrischer Bariton. Lang anhaltende, atemlose Stille im Saal nach dem Verklingen des finalen "Selig sind die Toten".

Arthur Honegger steht nach "Pacifik 231" oder "Rugby" im Ruf eines nicht nur Maschinen oder Sport liebend lautmalenden Komponisten. Vorurteil oder nicht: Auch sein drittes, nach Ende des Zweiten Weltkriegs entstandenes sinfonisches Opus mit dem programmatischen Untertitel "Symphonie Lithurgique" kann sich von einem gewissen plakativen Ausdruck nicht völlig freisprechen.

Zu hören war das mit üppigem Holz, schwerem Blech und Klavier (James Maddox) groß besetzte Werk zu Beginn des Abends. Schon hier war es beeindruckend, wie Prick die aufgebotenen Klangmassen subtil in kammermusikalischer Transparenz zu organisieren verstand.