Die Welt dazwischen

Varietéspektakel im Bonner Pantheon

Biegsam: Der junge finnische Artist Kalle Pikkuharjiu tritt bei Varietéspektakel im Pantheon auf.

Biegsam: Der junge finnische Artist Kalle Pikkuharjiu tritt bei Varietéspektakel im Pantheon auf.

BONN. Stephan Masurs Varietéspektakel „Cirque de Tuque 2 – In Between“ gastiert vom 15. bis 26. August im Pantheon - und begeistert das Publikum mit federnder Leichtigkeit.

Zugegeben – bei der Erinnerung an den Abschied vom alten Pantheon am Bundeskanzlerplatz wird Stephan Masur auch ein Jahr später noch ein wenig wehmütig ums Herz. Waren sein Ensemble und er doch im Juli 2016 die Letzten, die dort gespielt und die Lichter haben verlöschen sehen.

Wirklich viel Zeit für schwermütige Gedanken bleibt allerdings nicht, während Bühnenmeister und Lichtdesigner Michael Abrazzo Blattmann die neue Show „Cirque de Tuque 2 – In Between“ nach dem Gastspiel im Kölner Senftöpfchen nun auf einen größeren Maßstab „zuschneidet“ und die Artisten sich derweil strecken und dehnen. Das hat nicht nur zufällig gewisse Ähnlichkeit mit Madonnas Video „Vogue“ – es folgt dem von ihr dort aufgegriffenen Tanzstil, der zu Beginn der 1980er Jahre in der New Yorker Ballroom-Szene kreiert wurde. Wie das nachher in der fertigen Szene aussieht, bekommen die Zuschauer im Pantheon vom 15. bis 26. August zu sehen.

Die Leichtigkeit der Bewegungen täuscht an diesem Probennachmittag elegant über die Tatsache hinweg, dass es hier noch so einiges zu tun gibt, um alles für die Artisten vorzubereiten. Zum Beispiel die Hängepunkte oben an der Decke, die mehreren Hundert Kilo Gewicht standhalten müssen, oder die Tonnen mit 1000 Liter Wasser links und rechts für Draht- und Schlappseilakt. Das alles liegt noch vor dem Team. Das sieht schwer nach Arbeit aus. Nichtsdestotrotz: „Es ist einfach schön, wieder hier zu sein“, sagt Masur.

Eine Geschichte vom Erwachsenwerden

Das Besondere in diesem Jahr: Der niederländische Regisseur David Severins und der US-amerikanische Choreograph Sebastian Kann sind selbst schon als Artisten bei früheren Varietéshows Masurs aufgetreten. Der eine als Jongleur in „Le Voyage“ (2012), der andere im Luftring und am Luftnetz bei der „Show Télévisé“ im Sommer 2013.

„Man könnte auch sagen, die Kinder kommen zurück“, fügt Masur mit Augenzwinkern hinzu. Um so mehr, als „Cirque de Tuque 2“ – die Fortsetzung des „Cirque de Tuque“ aus dem Jahr 2011 – eine Geschichte vom Erwachsenwerden erzählt. Es ist ein Mosaik, das sich über den Abend Stück für Stück zusammensetzt.

Dabei bringt jeder Artist seine Puppe mit, die das gleiche Kostüm trägt wie er und seine geheimen Wünsche symbolisiert. Die Originale stammen aus dem Fundus der Oper Köln, die Miniaturausgaben wurden von Kostümbildner Moritz Haag eigens für diese Show geschneidert. „Nur eine Puppe wird sich nicht verändern – sie steht für das Kind in uns, das bleibt“, beschreibt Masur die Idee.

Sieben Artisten

Sieben Artisten – einschließlich Masur selbst – treten an, um die Bonner zu unterhalten. Das Publikum erwartet Tanztrapez und Hula Hoop auf High Heels von Oliver Smith Wellnitz aus Australien, federleichter Seiltanz und Tumbling von François Bouvier aus Kanada, preisgekröntes Kartenspiel von Mika Chao aus Taiwan, Kontorsion von Kalle Pikkuharjiu aus Finnland, Tanz am Tuch mit Danilo De Campos Pacheco aus Brasilien, der Finne Kimmo Hieteanen als „Petit Prince“ auf dem Schlappseil und natürlich Stephan Masur selbst als selbstironischer Geck Le Comte Vivaldi.

Die Mischung aus Artistik und Poesie hat dem Ensemble im Senftöpfchen schon stehende Ovationen beschert. Die Besucherzahlen und begeisterte Kritiken sprechen für sich.

Wobei die insgesamt zehn Nummern der Show sich erlauben, mit federnder Leichtigkeit auf der Grenze zu balancieren und den Mainstream souverän links liegen lasen. Denn die Wahrheit liegt in der Welt der Erwachsenen irgendwo dazwischen.

Info: Cirque de Tuque 2 - In Between: Pantheon, Siegburger Straße 42, 15. bis 26. August je 20 Uhr. Karten in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen und unter (0228) 21 25 21.