Verein ProBeethovenhalle

"Sie waren gut - und hatten Glück"

Verein ProBeethovenhalle

Kulturelle Zivilcourage: (v.l.) Klaus Zerres, Constanze Falke, Jürgen Wilhelm, Hans Hinterkeuser und Reinhard Rösler.

BONN. Wenn das Geld knapp ist, sind die Freunde des Kunstmuseums zur Stelle, um das Museum bei Neuerwerbungen zu unterstützen. Auch in Fällen kniffliger Diplomatie, etwa beim Restitutionsverfahren rund um Paul Adolf Seehaus' Bild "Leuchtturm" aus jüdischem Besitz, wurde der Verein aktiv.

Als Politik und Verwaltung in Bonn der Meinung waren, zugunsten eines Festspielhaus-Baus auf die denkmalgeschützte Beethovenhalle verzichten zu können, erhob der Verein ProBeethovenhalle seine Stimme und verhinderte den drohenden Abriss. Diese zwei Beispiele für kulturelle Zivilcourage in jüngerer Zeit, insbesondere die handelnden Figuren, sind gestern Abend im LVR-Landesmuseum gewürdigt worden. Für ihre Verdienste um die Förderung der Rheinischen Kulturpflege bekamen sie gestern von Jürgen Wilhelm, Vorsitzender des Landschaftsausschusses, den Rheinlandtaler des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR).

Was Constanze Falke, Reinhard Rösler und Hans Hinterkeuser mit ihrem Verein ProBeethovenhalle geleistet haben, verglich Wilhelm in seiner Rede mit dem "Kampf Davids gegen Goliath". Wilhelm erinnerte an den Stellenwert, den die Beethovenhalle für die Geschichte der jungen Bundesrepublik hat, an die Erinnerungen, die jeder Bonner mit diesem Bau verknüpft. "Sie waren gut, haben andere überzeugt und entscheidende Hebel in Bewegung gesetzt", würdigte Wilhelm die Hartnäckigkeit der Initiative.

"Und - nicht zu vergessen -, Sie hatten Glück." Constanze Falke, damals Studentin der streitbaren Kölner Stadtkonservatorin Hiltrud Kier und Mitinitiatorin der studentischen "Initiative Beethovenhalle" habe, so Wilhelm die Fachwelt aktiviert. Die von Hinterkeuser und Sigrun Eckelmann gegründete Bürgerinitiative ProBeethovenhalle wurde zum Auffangbecken für alle Beethovenhallen-Freunde. Der Verein gründete sich 2010, unter der Führung von Rösler wurden Informationsformate und Aktivitäten entwickelt. Der laute Protest zeigte Wirkung. Ganz anders, leiser, manifestiert sich die Arbeit von Klaus Zerres, seit 13 Jahren im Vorstand des Vereins der Freunde des Kunstmuseums Bonn, von Brotberuf Direktor des Instituts für Humangenetik an der Uniklinik der RWTH Aachen.

Zerres, ein Mann der großen Zuneigung zur Kunst und größter Bescheidenheit, wenn es um die eigene Person geht, wollte den Rheinlandtaler nur unter der Bedingung annehmen, dass es stellvertretend für alle sei, die sich für das Kunstmuseum engagieren. "Lernt man Sie kennen", sagte Wilhelm, "so erlebt man auf den ersten Blick einen stillen, aber, was die Leidenschaft für Kunst betrifft, einen überaus lebendigen und kreativen Menschen". Er ziehe sich nicht in den "Elfenbeinturm der Behaglichkeit" zurück, "wenn das kulturelle Wetter rauer und die Winde kommunaler Entscheidungen stürmischer werden".

Wilhelm erinnerte auch an den Fall "Leuchtturm". Das Bild von Seehaus war ursprünglich im Besitz des jüdischen Sammlers Alfred Flechtheim, der 1933 emigrieren musste. Das Kunstmuseum Bonn erwarb es 1949 auf einer Auktion. Wie das Bild Flechtheim oder seinen Erben entzogen wurde, ließ sich nicht feststellen. Der Verein habe sich, so Wilhelm, nicht nur dadurch verdient gemacht, das er half, das Bild dauerhaft für Bonn zu sichern, er habe auch die moralische Verpflichtung deutlich gemacht, "das Unrecht zu benennen und wenigstens materiell zu entschädigen." Wilhelm: "Jeder Euro, der vom Freundeskreis hierfür zusammengetragen worden ist, zählt doppelt und dreifach, da er eine Schuld begleicht oder besser zu begleichen versucht, die sich in ganz anderen Dimensionen darstellt."