Niedeckens Urahnin wurde verbrannt

Auf Spurensuche begab sich Wolfgang Niedecken.

UNKEL. Anna Katharina Spee, Urahnin desBAP-Frontmanns Wolfgang Niedecken starb 1631 als "Hexenkönigin von Bruchhausen" auf dem Scheiterhaufen.

Die Beziehung von BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken zu Rheinbach ist hinlänglich dokumentiert. Dort besuchte der 1951 in Köln geborene Sänger, Musiker und Künstler in den Jahren 1961 bis 1970 das Pallottiner Internat Sankt Albert. In Rheinbach begann der 60-Jährige, der im November nur knapp einen Schlaganfall überlebte, auch seine musikalische Karriere in den Schülerbands "The Convikts" und "The Troop". Dass die Wurzeln der Familie Niedecken in Unkel liegen, ist hingegen noch weniger bekannt.

In der WDR-Reihe "Vorfahren gesucht" geht es morgen um die Familiengeschichte des Musikers. Wolfgang Niedecken spürte dieser bereits bei der Recherche für seine im vergangenen Jahr erschienenen Autobiografie "Für 'ne Moment" nach. Sein Vater ("Bapp") Josef lebte in Unkel an der Bergstraße 6, die der Sohn auch aufsuchte. Die problematische Beziehung zu seinem Vater spielt eine zentrale Rolle in dem BAP-Klassiker "Verdamp lang her" ("Verdamp lang her, dat ich bei dir am Jraav woor").

Ende der 1930er Jahre war der mittellose Winzersohn Josef Niedecken von Unkel-Scheuren nach Köln umgezogen, um dort sein Glück zu suchen. In seinem Buch erzählt Sohn Wolfgang jedoch von späteren Besuchen bei Tante Lisbeth, der Schwester seines Vaters, und Onkel Albert in Scheuren.

Über viele Generationen waren die Niedeckens in Unkel sesshafte Winzer gewesen. Im Archiv des Unkeler Pfarramts erfuhr der Musiker, dass Adam Niedecken bereits im Jahr 1575 dort im Weinberg arbeitete.

Anna Katharina Spee starb auf dem Scheiterhaufen

Noch aufschlussreicher war ein Blick in alte Akten des Koblenzer Landeshauptarchivs. Zusammen mit einem Ahnenforscher fand Niedecken dort heraus, dass die mütterliche Linie seines Urahns Heinrich Josef Nideggen über Maria Adelheid Schopp bis zu Agnes Spee und deren Mutter Anna Katharina Spee, geborene Nürberg, reichte. Nach dem Tod ihres Mannes heiratete Anna Katharina Spee, die Wolfgang Niedeckens Urgroßmutter neunten Grades war, einen Pferdeknecht. Diese nicht standesgemäße Verbindung brachte sie als angeblich unzüchtiges Weib ins Gerede.

Die Dorffrauen sollen damals unter Folter berichtet haben, Anna Katharina Spee sei mit dem Teufel im Bunde. Am 9. September 1631 wurde sie daraufhin verhaftet und tagelang gefoltert. Elf Tage später starb Anna Katharina Spee als "Hexenkönigin von Bruchhausen" auf dem Scheiterhaufen.

"Ich kann mir vorstellen, dass es reine Landeier und reine Stadtmenschen gibt. Und tief im Innersten spüre ich, dass ich eigentlich ein Landei bin, und da kann es schon sein, dass das mit meiner Herkunft zu tun haben könnte", sagt Wolfgang Niedecken in dem WDR-Film von Frank Wegerhoff und Heiko Schäfer.

Der Film "Wolfgang Niedecken: Vorfahren gesucht" ist am Freitag, 20. Januar, um 20.15 Uhr im WDR-Fernsehen zu sehen.