Spekulationen aus den Niederlanden

Ist Beethoven gar kein Bonner?

Hier gehört er hin: Eine Büste von Beethoven im Garten des Beethoven-Geburtshauses in Bonn. FOTO: DPA

Hier gehört er hin: Eine Büste von Beethoven im Garten des Beethoven-Geburtshauses in Bonn. FOTO: DPA

Bonn. Ein kleines Museum im niederländischen Städtchen Zutphen wärmt die alte Geschichte auf, wonach Beethoven dort und nicht in Bonn geboren sei. Das steckt dahinter.

Bevor nun alle in Bonn am Beethoven-Jubiläum 2020 Beteiligten frustriert die Hände in den Schoß legen und alle Bonner ihre Beethoven-CDs auf Ebay verscherbeln: Was da in der niederländischen Tageszeitung „De Volkskrant“ Schwarz auf Weiß spekuliert wurde, nämlich dass Ludwig van Beethoven nicht in Bonn, sondern im Städtchen Zutphen in der Provinz Gelderland geboren wurde, ist weder abgesichert noch neu. Und auch nicht der erste Fall, uns Beethoven abspenstig zu machen.

So spottete Billy Wilder, nachdem Österreich durch den Staatsvertrag wieder ein freies Land ohne Besatzungsmächte geworden war – und das lange vor Deutschland: „Die Österreicher haben das Kunststück fertig gebracht, aus Beethoven einen Österreicher und aus Hitler einen Deutschen zu machen.“

Und doch ist die Meldung aus Zutphen etwas mehr als eine der üblichen Sommergeschichten. Denn es gibt ein „neues Museum in der Stadt, in der Beethoven vielleicht doch geboren wurde“, wie der Artikel in „De Volkskrant“ überschieben ist, den uns eine aufmerksame Leserin schickte.

Spekulationen bereits nach dem Tod Beethovens

Museumsdirektor Jurn Buisman wärmt darin eine alte Spekulation auf – die man mit vielen Fragezeichen auch auf der Homepage seines Geelvinck Musik Museum nachlesen kann – und wird so von dem Blatt zitiert: „Bis ins 19. Jahrhundert stand in den Schulbüchern, dass Beethoven in Zutphen zur Welt kam. Er könnte hier geboren worden sein.“ Buisman weiter: „Beethoven selbst hat immer behauptet, dass er nicht 1770, sondern 1772 geboren wurde. Nun, es gibt Hinweise, dass seine Eltern 1772 mit einer Musikgesellschaft in Zutphen waren und dass damals ein Ludwig geboren wurde im französischen Gasthof der Stadt.“ Ludwig soll die Taufurkunde seines früher in Bonn geborenen und gestorbenen Bruders desselben Namens bekommen haben.

Bereits neun Jahre nach Beethovens Tod blühten die Spekulationen. Da äußerte ein Herr van Marwijk seine Zweifel an Beethovens Geburtsort Bonn und informierte den Bürgermeister von Bonn, dass Beethoven 1772 im Gasthaus „De Fransche tuin“ in Zutphen geboren sei. Das niederländische Wikipedia führt diese Information im Artikel über Zutphen unter „Trivia“, also Kurioses.

„Die Geschichte ist schon älter, kommt immer wieder hoch."

Alles Quatsch! Die Musikwissenschaftlerin Christine Siegert, Leiterin des Beethoven-Archivs im Beethoven-Haus, reagiert leicht ungehalten: „Die Geschichte ist schon älter, kommt immer wieder hoch. Ich verstehe das nicht.“ Die Archivleiterin teilt uns mit: „Der Eintrag zu Ludwig van Beethoven weist klar den 17. Dezember 1770 als Tauftag aus. Das Argument, Beethoven habe noch einen älteren Bruder gehabt und sein Taufeintrag müsse eigentlich diesem zugeordnet werden, geht also fehl, da dessen Lebensdaten ebenfalls dokumentarisch belegt werden können.“

Im Geelvinck Musik Museum in Zutphen, in dem 120 verwaiste Pianos ein Zuhause gefunden haben, können Besucher selbst Klavier spielen, lesen wir in „De Volkskrant“ weiter (liebenswürdigerweise übersetzt von unserer Kollegin Anna Maria Beekes). Auf der Homepage sieht man schemenhaft Beethovens Kopf über Zutphen schweben. Ein Zeichen?

Und es gibt eine kleine Ausstellung über Beethoven, einmal nicht in Form eines Lebenslaufs – es ist eine Übersicht von LP-Hüllen. Originell. Geburtsort oder nicht Geburtsort – Man sollte vielleicht mal nach Zutphen fahren.

Informationen unter www.geelvinck.nl