Syrische Künstler stellen in Bonn aus

Hommage an die Heimat

Sprachlose Masse von Frauen und Kindern auf der Flucht. Ein Bild von Darin Ahmad.

Sprachlose Masse von Frauen und Kindern auf der Flucht. Ein Bild von Darin Ahmad.

Bonn. Syrische Künstler zeigen im Bonner Institut français Malereien und Fotografien von ihrem Land und von der Flucht. „Man sieht in allen Bildern das Drama der Flucht und des Krieges. Das haben sie entweder selbst erlebt oder mitbekommen“, sagt Kuratorin Friederike Miksche von Art Dialog.

Der leere Stuhl ist ein Symbol für Sedisvakanz. Dabei muss es nicht immer um den heiligen Stuhl in Rom gehen. Der chinesische Künstler Ai Weiwei hat einst einen leeren Stuhl zum Filmfestival nach Stockholm geschickt, da er wegen eines Ausreiseverbots nicht selbst kommen konnte. Kefah Ali Deeb ist eine syrische Künstlerin, in deren Werke der leeren Stuhl meist das Hauptmotiv ist.

Nun sind in der Ausstellung „Fluchtpunkt“ ein Siebdruck, drei Radierungen und Gemälde von ihr zu sehen. Mit den Bildern der leeren Stühle zeigt sie Stille und Leere. Dass es dabei auch um Menschen geht, die in Syrien zurückgeblieben sind oder gar nicht mehr leben, liegt nahe. Viermal war die Künstlerin und politische Aktivistin in ihrem Heimatland im Gefängnis. Der Geheimdienst zerstörte ihr Atelier und auch ein Teil ihres Lebens. Die jetzt in Bonn zu sehenden Siebdrucke waren die einzigen Überreste. Mit ihnen floh sie vergangenes Jahr nach Deutschland.

„Man sieht in allen Bildern das Drama der Flucht und des Krieges. Das haben sie entweder selbst erlebt oder mitbekommen“, sagt Kuratorin Friederike Miksche von Art Dialog. Mit der Kunstausstellung wolle man den fünf syrischen Künstlern auf Augenhöhe begegnen.

Die Erschütterung des Lebens in eine Kunst transformieren und ihnen damit auch ein Stück Würde zurückgeben. Das ist das Anliegen der Initiatoren um die Gesellschaft zur Förderung der Europäischen Integration durch Kunst At Dialog und des Institut français. Die Leiterin Françoise Rétif sieht in der Flüchtlingskrise eine europäische Herausforderung, zu der das Institut einen kleinen Beitrag leisten will.

Zur Umsetzung der sehenswerten und berührenden Ausstellung, die einen durch das ganze Institutsgebäude wandern lässt, war das Engagement von Fouad EL-Auwad ausschlaggebend. Der Dichter und Gründer des „deutsch-arabischen Lyrik-Salons“ lebt schon seit vielen Jahren in Deutschland und hat ein großes Netzwerk zu syrischen Künstlern aufgebaut. Einige seiner Bilder sind auch in „Fluchtpunkt“ zu sehen, es sind die buntesten und hoffnungsvollsten der Ausstellung.

Hommage an die Heimat

„Duft der Farben in der Kriegszeit“ zeigt eine Sehnsucht nach der Kultur und ist eine Hommage an die Heimat.

So auch die an moderne Christusbilder erinnernden Werke „Seine Erscheinung wie ein Blitz“ oder „Lorbeer“ von Akram Hamza. Leidende Gesichter, die Menschen zeigen, die aus ihrem Leben gerissen sind, malt auch Darin Ahmad. Wie auf einer Bühne rücken die Figuren auf der Leinwand in den Vordergrund und scheinen geradezu bei ihren Betrachtern nach Geborgenheit und Trost zu suchen. „Warum malst du immer so scheußliche Dinge. Mal doch mal ein paar Blümchen“, sagte einmal die vierjährige Tochter von Ahmad.

Beeindruckend sind auch die Porträtfotos des aus Aleppo geflüchteten Adnan Sharbaji. „Nah ist fern“ nennt er seine Momentaufnahmen von jungen und alten Syrern, die 2015 entstanden sind.

Die Kunstausstellung „Fluchtpunkt“ im Institut français in der Adenauerallee 35 ist noch bis zum 3. Juli zu sehen. Am 4. Juni gibt es um 11 Uhr und um 13 Uhr eine Führung auf Arabisch und am 9. Juni um 18 Uhr auf Farsi (Persisch). Am 14. Juni um 15.30 Uhr und am 17. Juni um 16 Uhr finden Führungen auf Deutsch statt.