Heribert Beissel widerspricht Kurt Masurs Kritik an der Beethovenhalle

Bislang hat sich Beissel aus der Diskussion ums Feststspielhaus herausgehalten. Doch das schlechte Zeugnis, das Kurt Masur der Beethovenhalle ausstellte, lockte den Maestro nun doch aus der Deckung.

Bonn. (ht) Seit Mitte der 80er Jahre bietet die Klassische Philharmonie in der Bonner Beethovenhalle ihre Reihe "Wiener Klassik" an. Initiator und alleiniger Dirigent ist Heribert Beissel, der mit einem festen Stammpublikum rechnen kann.

Bislang hat sich Beissel aus der Diskussion um den Neubau des Feststspielhauses und den damit möglicherweise einhergehenden Abriss der Beethovenhalle herausgehalten. Doch das schlechte Zeugnis, das sein Kollege Kurt Masur vor Ostern der Beethovenhalle ausstellte, lockte den Bonner Maestro nun doch aus der Deckung.

Masur nämlich hatte bei einer Begehung der Beethovenhalle vor allem ihre akustischen Unzulänglichkeiten sowie den zu geringen Platz auf der Bühne bemängelt. "Das darf eigentlich nicht sein, eine Neunte unter den Bedingungen zu spielen, wie wir jetzt gezwungen sind", hatte er im GA zu Protokoll gegeben.

Genau da setzt nun Beissels Gegenargumentation ein, die er in einem mehrseitigen Brief an den General-Anzeiger formuliert. Darin heißt es unter anderem: "Seit 25 Jahren ist die 9. Sinfonie von Beethoven Thema des Neujahrskonzertes in der Beethovenhalle mit 75 Personen im Orchester und einer Chorstärke von 120 Sängern bei unveränderter Bühne und einer Bestuhlung von ca. 2 000 Plätzen.

Mithilfe der ausgezeichneten steilen Chorempore für 120 Personen, über die die Beethovenhalle verfügt, ist ausreichend Platz für das Orchester vorhanden." Die "trennscharfe Akustik", wie er die vergleichsweise geringe Nachhallzeit in der Beethovenhalle nennt, fordere selbstverständlich einen gesonderten Zugang zu kompakteren Stücken: "Geradezu beispielhaft hat im vergangenen Jahr beim Beethovenfest die Bremer Kammerphilharmonie (...) mit Transparenz, Trennschärfe, wachem Verstand und Klangbezogenheit Maßstäbe gesetzt".

Und weiter schreibt er: "Die Klassische Philharmonie Bonn hat durch die regelmäßigen Konzerte pro Monat in den elf größten Konzertsälen der BRD die besten Vergleichsmöglichkeiten mit der Bonner Beethovenhalle und dadurch eine fundierte Beurteilungskompetenz. Im Vergleich zum Idealfall der Hamburger Musikhalle haben andere Säle, wie z.B. der Gasteig in München größere akustische Mängel vorzuweisen als die Bonner Beethovenhalle."

Beissel sieht für seine Arbeit zudem die Gefahr "schlechter Interimslösungen". Deshalb plädiert er am Ende seines Briefes dafür, "über einen anderen, möglichst originellen und würdigen Standort eines Festspielhauses erneut nachzudenken. Salzburg und Baden-Baden bieten bemerkenswerte Lösungen."