Ein berauschender Abend

Hanno Busch Trio begeistert bei Dottendorfer Jazznacht

Rotlicht in Dottendorf: (von links) Hanno Busch, Claus Fischer und Jonas Burgwinkel.

Rotlicht in Dottendorf: (von links) Hanno Busch, Claus Fischer und Jonas Burgwinkel.

Bonn. Ein Effektgerät und seine Tücken: Das Hanno Busch Trio begeistert bei der Dottendorfer Jazznacht mit Stücken aus den Alben "Absent" und "Share This Room"

Immer wieder drehte Hanno Busch am Ringmodulator, eines von rund einem Dutzend Effektgeräten – mitunter Bausteine eines Moog-Synthesizers –, die sein furioses Gitarrenspiel in ein bizarres Klanguniversum beamen. Das Rätsel des Ringmodulators hielt die Besucher der Dottendorfer Jazznacht in permanenter Anspannung. Der Qualität des Abends taten die vermeintlichen Abstimmungs- und Justierungsprobleme überhaupt keinen Abbruch. Ein berauschender Abend mit Busch und seinem Trio.

Vor genau zwei Jahren spielte er an gleicher Stelle, präsentierte Stücke aus den Alben „Absent“ von 2014 und „Share This Room“ von 2017 – am Donnerstagabend versprach er nun, aus den Alben andere Stücke zu spielen, ein neues Set. Bis auf wenige Ausnahmen hat sich der Echo-Jazz-Gewinner von 2018 daran gehalten.

Mit dem funkigen und rockigen „Not Home“ vom Album „Absent“ und dem Gegenstück, der Ballade „Home“, die so sanft und bedächtig startet und dann durch das ultraharte Schlagzeug aufgemischt wird, legten Busch und sein Trio gleich zu Beginn die Bandbreite des Abends fest. Der fantastische Jonas Burgwinkel am Schlagzeug und der nicht minder exzellente, aber ungleich coolere Bassist Claus Fischer assistierten Busch beim rasanten Tempowechsel, begleiteten ihn in die Phasen, wenn wie in „Wheel“ das Stück auseinanderzubrechen scheint und dann wieder Struktur finden muss.

Traumhafte Ballade

Ein perfekt agierendes Trio – was besonders in „Sanctuary“ herauszuhören war, eine flüchtige musikalische Skizze, die wie in einer Jam-Session vor dem Publikum ausgearbeitet wird. In „I Sad Too Much“, lässt Busch seine Effektgeräte von der Leine, katapultiert sich in höhere Sphären, Fischer zieht begeisternd nach, Burgwinkel feuert zurück. Eines der besten Stücke vom Album „Share This Room“, das Busch einst Billy Joel widmete. Dessen traumhafte Ballade „And So It Goes“ schickte das begeisterte Publikum als passende Zugabe in die Nacht.

Zuvor gaben die Drei alles: Sie schwelgten in „My Silence Is My Self Defense“ mit Burgwinkel, der seinen Trommeln und Becken Streicheleinheiten gönnte, mit Fischer und Busch, die im fliegenden Wechsel Rhythmusarbeit beziehungsweise Melodie übernahmen; und sie gingen mit „Remote Control“ und „Maxi 1“ auf ausgelassene Exkursionen in die pulsierende Welt des Funkrock.

Dass Busch am Rande etwas von einem neuen Album erzählte, an dem man arbeite, ließ wohl jeden im Dottendorfer Ortsteilzentrum aufhorchen. Spätestens beim nächsten Auftritt sollte Busch es dabeihaben.