Beethovenfest 2012

Diesmal spielt Lisa Batiashvili sogar mit Dirigent

Lisa Batiashvili.

14.09.2012 BONN. Bei ihrem Beethovenfest-Gastspiel vor sechs Jahren hatte sich Dirigent Paavo Järvi kurzfristig entschuldigt, was für die aus Georgien stammende Geigerin jedoch kein unlösbares Problem darstellte. Nun war sie erneut mit dem Werk zu Gast. Diesmal begleitete sie das WDR Sinfonieorchester, das selbstverständlich mit Dirigenten aus Köln angereist war.

Die Chemie stimmte zwischen Lisa Batiashvili und Jukka-Pekka Saraste. Beide lieben die Klarheit in der Musik. Die Geigerin spielt ihren Part mit einem schlanken Ton, dessen Schönheit einer starken sinnlichen Komponente nicht entbehrt. Sie artikuliert sehr fein, mit Bedacht, einem wunderbar präsenten Ton und einer sehr natürlich wirkenden Musikalität.

Das Paukenmotiv des Anfangs signalisierte schon ein recht zügiges Tempo, was dem Stil und dem Naturell der Interpretin sehr entgegenkommt. Romantische Schwelgereien sind ihre Sache nicht. Zwischen Geigerin und Orchester entspann sich dann ein sehr lebendiger Dialog, man hörte und achtete aufeinander.

In Fritz Kreislers Solokadenz zum Beethovenkonzert spielte sie ihre technische Überlegenheit auf überwältigende Weise aus. Die Doppelgriffe, die schwer auszuführenden mehrstimmigen Motiv-Imitationen und das virtuose Passagenspiel wirkten verblüffend anstrengungslos. Der langsame Satz wurde zu einer idyllischen Gesangsszene und das Finale ein tänzerischer Kehraus, dessen Vitalität ansteckend war.

Für den Applaus bedankte sich Lisa Batiashvili mit der fünften der insgesamt sechs Miniaturen des georgischen Komponisten Sulkhan Tsinsadze, die sie auch schon auf einer CD-Einspielung mit dem Beethoven-Konzert gekoppelt hatte. Vor allem das zur leisen Orchesterbegleitung gehauchte Flageolett-Spiel evozierte eine ganz zauberhafte Atmosphäre.

Umrahmt wurde das Konzert mit zwei Werken von Jean Sibelius, dessen Musik der finnische Dirigent Saraste nicht nur überaus schätzt, sondern auch trefflich in Szene zu setzen weiß. Sowohl bei der sinfonischen Dichtung "Der Barde" als auch bei der ersten Sinfonie verzichtet er darauf, die Musik im melancholischen Ungefähr ändern zu lassen.

Er verleiht den nordischen Klängen Rückgrat und Kontur, zeichnet klare Linien. Und das WDR Sinfonieorchester setzte das alles brillant um: Das Blech begeisterte, das Holz betörte, und die Streicher grundierten das Werk mit einem sehr differenzierten Klang. Das Publikum in der diesmal wieder sehr gut besetzten Beethovenhalle applaudierte ausgiebig. (Bernhard Hartmann)