Oper Köln

Bonns OB Nimptsch: Kooperation zwischen Bonn und Köln?

Ein Opernfan, der nicht mehr in die Oper geht: Jürgen Nimptsch scheut die subventionierten Freikarten.

bonn. Angekündigte Rücktritte können auch beflügeln. Zum Beispiel den Bonner Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch, der den geplanten Weggang des Kölner Opernchefs Uwe Eric Laufenberg für eine Wiederauflage der Diskussion über eine Kooperation der Opernhäuser in Bonn und Köln als Steilvorlage nutzt.

Ende November 2010 hatte Nimptsch beim 3. Kölner Kultursymposium für entrüstete Reaktionen gesorgt, als er von einem "gewissen Charme" sprach, "wenn die Oper künftig einen Schwerpunkt in Köln, der Tanz dagegen in Bonn" habe. Bei 30 Kilometern Distanz zwischen den Städten sei es "billiger, das Publikum reisen zu lassen, als die Produktionen". Das Beethoven Orchester, das in Bonn einen Großteil seiner Dienste ableistet, könne, so Nimptsch damals, eben in der Kölner Oper spielen. Einzig für diesen Punkt sah der Kölner Kulturdezernent Georg Quander eine mögliche Realisierungschance. Ansonsten fiel Nimptschs Opernplan krachend durch.

Mit nur ganz leicht modifizierten Argumenten steigt nun Nimptsch eineinhalb Jahre später erneut in die Opern-Bütt: Eine gemeinsame Oper mit zwei Spielstätten - in Köln und Bonn -, so stellt er sich eine Kooperation vor. Dem "Kölner Stadt-Anzeiger" sagte der OB - "ich bin ja als leidenschaftlicher Opernliebhaber bekannt" -, er könne sich eine so enge Kooperation gut vorstellen. Nimptsch will 2013 in Oper und Schauspiel kräftig an der Eintrittspreis-Schraube drehen. Er selbst plage sich mit dem schlechten Gewissen: Er gehe nicht mehr in die Oper, seitdem er wisse, dass jede Karte mit 150 Euro subventioniert werde. Alle Freikarten habe er zurückgegeben, meint er.

Seine Gedanken, die offenbar weder mit der Kulturverwaltung abgesprochen sind, noch gegenwärtig eine politische Mehrheit haben, will Nimptsch in einem kulturpolitischen Essay niederlegen, der in der kommenden Woche erscheinen soll.

"Die Reihenfolge muss stimmen"

Als "unsäglich" und "Schlag ins Gesicht des neuen Bonner Generalintendanten Bernhard Helmich" wertet Markus Schuck, kulturpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, den Opern-Vorstoß. Bärbel Richter (SPD), offen für Kooperationen, möchte aber zunächst den neuen Generalintendanten ins Boot holen: "Die Reihenfolge muss stimmen".

"Man kann doch nichts in die Welt setzen, das vorher keiner geprüft hat", meint Rolf Bolwin, Geschäftsführer des Deutschen Bühnenvereins: Bei einer Opernfusion müsse man zwei Häuser aus bestehenden Stadttheatern lösen; dabei verzichte man auf Synergieeffekte, um theoretische Synergieeffekte zu erreichen, die man nicht beziffern könne. Eine Fusion sorge in erster Linie "für Probleme, die Geld kosten".

Quanders Skepsis ist in den vergangenen eineinhalb Jahren nicht verflogen. "Ich halte eine Kooperation nicht grundsätzlich für ausgeschlossen", sagte er dieser Zeitung, "aber akut sehe ich die Frage nicht". Köln werde bei diesem Thema nicht die Initiative ergreifen. Bonn habe gerade einen neuen Generalintendanten gewählt, "unsere Situation ist völlig offen". Die Frage sei, so Quander: "Gibt es substanzielle Einsparungen, oder ist das Ganze nur Symbolpolitik?"

Nimptschs neuerlicher Vorstoß kommt ungelegen. Denn bei etlichen Kooperationen kriselt es. Die berühmteste Opern-Ehe in NRW, 1956 geschlossen zwischen Düsseldorf und Duisburg, steht auf der Kippe. Grund ist die von der finanziell klammen Stadt Duisburg angedrohte Kürzung für 2014 in Höhe von 2,5 Millionen Euro. Beim Tempo der schuldenfreien Düsseldorfer können die Duisburger nicht mithalten.

Und von einem Finanzausgleich hält der größere Partner nichts. Zweites Beispiel: Seit der Fusion des Landestheaters Altenburg und den Bühnen der Stadt Gera 1995 gibt es nur eine Tendenz: nach unten. Inzwischen wird über Spartenabbau diskutiert. Die Oper wird man sich auf der größten Bühne Thüringens - Standort Gera - bald nicht mehr leisten können.

Diskutieren Sie mit!

Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch feuert die Operndiskussion erneut an. Eine enge Kooperation zwischen Köln und Bonn, zwei Häuser unter einer Leitung. Funktioniert das? Kaum denkbar, dass Bonn die Intendanz bekäme. Die Musik- und Beethovenstadt also nur der Juniorpartner in einer Köln/Bonner Opernehe? Was bedeutet das für das kulturelle Profil Bonns? Diskutieren Sie mit auf http://blog.ga-bonn.de/aktion/