Puppenspiel im WCCB

Bauchredner Sascha Grammel verzaubert Bonn

Von diesem schnuckeligen Wesen ist das Bonner Publikum restlos verzückt: Sascha Grammel mit Baby-Josie.

Von diesem schnuckeligen Wesen ist das Bonner Publikum restlos verzückt: Sascha Grammel mit Baby-Josie.

Bonn. Die zurückhaltende Schildkröte Josie ist nur eine der Figuren des Bauchredners Sascha Grammel. Doch sie verzauberte die Besucher beim Auftritt im WCCB besonders.

Erste Lektion für angehende Bauchredner: Je größer die Augen, desto niedlicher die Puppe. Mit entsprechend überdimensionierten Glubschern wirkt selbst eine Socke wie ein putziges Würmchen, das man einfach nur in den Arm nehmen möchte.

Zumindest wenn es von Sascha Grammel zum Leben erweckt wird. Der Bauchredner und Puppenspieler zählt längst zu jenen ganz großen Comedy-Stars, die ihrer einstigen Wirkungsstätte entwachsen sind und mehr Fans haben, als etwa das Haus der Springmaus fassen kann. Daher hat dieses nun das World Conference Center Bonn gemietet – und gefüllt.

Gut 2700 Besucher sind gekommen, um Grammel und vor allem seine Puppen zu sehen, die schüchterne Schildkröte Josie, den gerupften, frechen Fasan-Drachen Frederic, einen Fisch namens Mieze und eben jenes seltsame Strumpfwesen namens „außer Rüdiger“. Ein herrlich schräges und vorlautes Team, das in einer Kinderwunderwelt für jede Menge Spaß sorgt. Und ihren Herrn und Meister nur allzu gerne vorführt.

In gewisser Weise ist Grammel selbst eine arme Socke: Ein ewig Junggebliebener, der von seinen Puppen wegen seiner Wuschelfrisur gemobbt und konsequent für dumm verkauft wird. Andererseits kann wirklich niemand diesen skurrilen Wesen ernsthaft böse sein, dafür sind sie letztlich doch zu liebevoll. Und zu sehr von Grammel abhängig, der sein Fach beherrscht wie kaum ein anderer.

Immerhin gelingt ihm der Spagat, die Bauchredner-Illusion kontinuierlich zu dekonstruieren und seinen Figuren dennoch eine eigene Persönlichkeit zu verleihen. „Wenn du lachst, kann ich nicht reden“, sagen ihm seine Puppen des öfteren indigniert, wenn Grammel sich mal wieder nicht beherrschen kann und angesichts der eigenen Pointen lauthals losprustet. Stimmt ja.

Josie mit den übergroßen Augen

Und dennoch sind es paradoxerweise genau jene Situationen, in denen die Eigenständigkeit der Tiere besonders nachdrücklich wirken. Sie sind die eigentlichen Stars des Abends, zumal Grammel solo ein wenig zu bemüht wirkt, zu sehr den Eindruck eines ewigen Kindes mit beschränktem Verstand erwecken will und als herausragendstes Talent seine Fähigkeit nennt, Wortungetüme wie den Eierschalen-Sollbruchstellenverursacher zu behalten und permanent ins Programm einzubauen. „Ich find's lustig“, heißt dieses übrigens. Eine Aussage, die das Publikum vollumfänglich teilt. Sobald die Puppen ins Spiel kommen.

Den größten Eindruck macht aber ohne Zweifel Josie. Während die anderen Figuren Grammels sich in ihrem frechen Duktus durchaus ähnlich sind, ist die Schildkröte mit ihrem zurückhaltend-zarten Stimmchen schon etwas Besonderes. Und das ohne übergroße Augen. 114 Jahre ist sie inzwischen alt, was mehr als genug Grund für eine Rückschau (und einen von mehreren Film-Einspielern) ist.

Als dann eine Baby-Josie auf der Bühne erscheint, ist das Publikum restlos verzückt. Süß, ebenso wie Grammels Spiel mit dem Winzling, das auch in dieser Form kein Blatt vor den Mund nimmt und ihren Ersatz-Onkel ebenso wie die Menge um den kleinen Finger wickelt. Da werden alle Herzen weich wie Butter. Mehr kann ein Bauchredner eigentlich nicht erreichen.