Pianist Hinrich Alpers im Kammermusiksaal

Auf zum Gipfel

Hinrich Alpers.
FOTO: PROMO

Hinrich Alpers. FOTO: PROMO

Bonn. Pianist Hinrich Alpers gab das vorletzte Konzert seines Beethoven-Zyklus im Bonner Kammermusiksaal. Es war wieder ein großer Abend.

Danke! Am Anfang und auch am Ende des Konzertes sagte Hinrich Alpers einfach mal: Danke. Das ist eigentlich eine Seltenheit, denn zumeist bedankt sich das Publikum mit Applaus für das Konzerterlebnis, doch dass ein Interpret auch mal seinem Publikum für sein zahlreiches und regelmäßiges Erscheinen dankt, das ist einfach eine sympathische Geste. Das Publikum hatte indes auch Anlass zu danken, denn es war wieder ein großer Abend.

Und leider der vorletzte im Rahmen der Aufführung aller Klaviersonaten. Doch eines lässt sich schon jetzt sagen: Es war ein grandioser Zyklus, wie Alpers einmal mehr bestätigte. Dieses Mal galt es, den „Gipfel“ – so das Motto des Abends – zu besteigen. Auf dem Programm: die Sonaten op. 90 und 101 sowie mit der Hammerklaviersonate op. 106 Beethovens wohl gewichtigster Beitrag zu dieser Gattung. Alpers bewegte sich hier mit seiner Interpretation zuweilen an der Grenze zum Wahnwitz, hämmerte Beethovens ultimative Klaviersonate mit geradezu diabolischer Brillanz in die Tasten und ging dabei konsequent an Grenzen: des Stückes, des Flügels und auch an seine eigenen. Schon im einleitenden Allegro entfachte er mächtigen Furor und grenzte kontrastierende Abschnitte mit größtmöglicher Schärfe gegeneinander ab. Das knackig-pointierte Scherzo war nicht mehr als ein kurzweiliges Intermezzo vor dem mächtigen Adagio, mit dem Beethoven laut Alpers „das Tor zur Romantik“ aufgestoßen hat.

Der gut viertelstündige Satz war eine einzige Meditationsübung, eine transzendentale Studie, die von Alpers mit einem unglaublich dichten Spannungsbogen zusammengehalten wurde. Das war der genaue Gegenentwurf zum Finale. Geradezu rauschhaft wirkte das virtuose Fugenthema, das von Alpers in einem regelrechten Taumel hineingesteigert wurde.

Auch hier hörte man einen Beethoven mit Ecken und Kanten, keine abgehobene Verklärung des Komponistengenies, sondern einen geerdeten, zuweilen deftigen, immer aber mitreißenden Beethoven. Begonnen hatte der Abend im Kammermusiksaal mit der zweisätzigen Sonate op. 90. Im ersten Satz gab es bemerkenswerte Momente, die eher an von allen Konventionen losgelöste Klangstudien denn an eine sonatenmäßige Verarbeitung des Themas erinnerten, der zweite Satz wurde von Alpers mit größtmöglicher Sanglichkeit und einem fast schon beiläufigen Ende perfekt inszeniert.

Auch die Sonate op. 101 fügte sich bruchlos in dieses Bild, vor allem der mit innigster Empfindung vorgetragene langsame Satz des Werkes.