Show in Köln

Riesenapplaus für "The 27 Club" in der Kölner Philharmonie

Er wurde nur 27: Alix Anthony verkörpert Jimi Hendrix in der Show „The 27 Club“.

Er wurde nur 27: Alix Anthony verkörpert Jimi Hendrix in der Show „The 27 Club“.

Köln. „The 27 Club“ ermöglicht in der Kölner Philharmonie ein Wiedersehen mit Jimi Hendrix & Co.

Tote geben keine Konzerte. Zu Zeiten, wo das Geschäft nicht mehr über den Verkauf von Platten läuft, sondern über Live-Auftritte – inzwischen geben große Bands bis zu vier pro Stadt und Jahr –, ist das schlecht. Was jedoch gut ist: Legenden sterben nie. Sie sind also nicht tot und können deshalb auch weiter konzertieren.

Womit die Idee von „The 27 Club“ skizziert wäre. Am Dienstag hatte die Show, die die Schicksale von sieben Sängern und Musikern aneinanderreiht, die alle exzessiv lebten und im Alter von 27 Jahren starben, Premiere in der Kölner Philharmonie. Erzählt wird, in chronologischer Folge, von Robert Johnson (1911-1938), Brian Jones (1942-1969), Jimi Hendrix (1942-1970), Janis Joplin (1943-1970), Jim Morrison (1943-1971), Kurt Cobain (1967-1994) und Amy Winehouse (1983-2011). Im Laufe von 135 Minuten mit Pause erklingen ihre größten Hits, gespielt von einer Band mit 13 Musikern und gesungen von Darstellern, die die nicht verblichenen Idole verkörpern. Kleidung und Auftrittsstil sind dabei den Vorbildern nachempfunden.

Überdrehte Show

Während Alexandru Munteanu (Jim Morrison) und Max Milner (Kurt Cobain) einen guten Job machen, fällt dagegen Alix Anthony (Robert Johnson und Jimi Hendrix) rapide ab. Gitarre spielen kann er, aber seine Stimme ist viel zu flach. Tor Hills (Janis Joplin) kann zwar singen, überzeichnet aber ihre Rolle. Star der Aufführung ist Roo Savill, die Amy Winehouse in jeder Faser lebt. An sie reicht gesanglich nur Erzählerin Marion Campbell heran. Im steampunkigen Outfit liefert sie einen 1A-Soul ab und ist überdies eine brillante Entertainerin.

Stellenweise, besonders am Anfang, überdeckt die Band den Gesang, hier wäre noch etwas nachzukorrigieren. Einiges an der Show hinkt: Ex-Rolling Stone Brian Jones war Gitarrist, die Hits singt Conor Houston als Mick Jagger, der keineswegs mit 27 verstarb, sondern inzwischen 75 ist. Anderes gerät zu platt, etwa dir Projektion einer brennenden Gitarre bei Jimi Hendrix, die Unterwasseraufnahme bei Jones, weil der ertrunken ist. Oder zu sparsam, wie das Bühnenbild mit Flightcases, künstliche Rosen, Kerzen und einer Whiskeyflasche.

Die drei Tänzerinnen wirken so überdreht, dass man sich fragt, was sie vorher genommen haben. Und sich Sorgen macht, ob eine von ihnen vielleicht 27 ist. Dem Publikum – mindestens zweimal 27 Jahre alt und deutlich älter, Twens sucht man hier vergebens – gefällt der dritte Programmpunkt des „31. Kölner Sommerfestivals“ trotzdem. Standing ovations und Riesenapplaus.

„The 27 Club“, bis Sonntag, 12. August in der Philharmonie Köln, Bischofsgartenstr. 1, Vorstellungen: Do. und Fr. 20 Uhr, Sa. 15 und 20 Uhr, So. 14 Uhr.