Zwischen Klassik und Zirkus

Kölner "Night of the Proms" lockt 25.000 Zuschauer

Stargast bei der Nokia Night of the Proms: Bryan Ferry war nicht ganz gut bei Stimme.

Stargast bei der Nokia Night of the Proms: Bryan Ferry war nicht ganz gut bei Stimme.

Köln. Die Nokia Night of the Proms lockte 25.000 Zuschauer an zwei Tagen in die Kölner Lanxess Arena. Stargast war Bryan Ferry. Die Proms ist eine traditionelle Konzertreihe, die ihren Abschluss in der Royal Albert Hall in London hat.

Proms hat nichts mit Promis zu tun. Die Proms ist eine traditionelle Sommerkonzertreihe, die ihren Abschluss in der Royal Albert Hall in London hat. Hier werden populäre klassische Werke gespielt. Seit 1984 wird das Programm zu einer Melange von Pop und Klassik zusammengeführt. Seitdem ist John Miles das Gesicht der „Proms“. Er ist der Garant für die gelungene musikalische Zeitreise zwischen Klassik und Pop. In Deutschland gibt es sie seit 25 Jahren. In Köln ist es die 38. und 39. Show. Es kamen über 25 000 Zuschauer. Geboten wird ein abwechslungsreiches Programm, das neben Tim Bendzko, Milow, den Pointer Sisters auch den Grandseigneur Bryan Ferry als Stargast holte.

Neue Akzente setzt eine Lightshow, die halbtransparente Videoscreens vor das Orchester spannt. Wie ein Tsunami überflutet das Adagio aus der „Neuen Welt“ von A. Dvorak die Zuhörer. Das Antwerp Philharmonic Orchestra unter Leitung der Brasilianerin Alexandra Arieche eröffnet den ersten großen Klassikteil des Abends mit L. Bernsteins „Mambo“ aus der West-Side-Story.

Passen ernste Musik und Zirkus zusammen? „The Fluteman“, Gabor Vosteen, ist Komiker und Flötist, der fünf Flöten gleichzeitig spielen kann. Wie das geht? Zwei Flöten im Mund, zwei an der Nase und eine am Ohr. Erstaunlich. Der Pausenclown, der das Publikum an die Heiterkeit erinnert. Tim Bendzko ist der erste (deutsche) Pop-Act. Frisch und charmant, der Liebling der Schwiegermütter. Sein Ohrwurm „Nur noch kurz die Welt retten“ bekommt durch die sinfonische Untermalung eine neue Farbe. Ein Klassiker, der nie fehlen darf: „An der schönen, blauen Donau“ von Johann Strauß wird in ein Lichtermeer aus blauen, grünen und weiß erleuchteten LED-Armbändern getaucht. Paare drehen sich dazu auf den freien Flächen des Saales.

Das Publikum steht auf und klatscht

Petrit Ceku ist ein virtuoser Gitarrenspieler. Gemeinsam mit Tom Vanstiphout, dem Gitarristen der Rhythmusgruppe, kann er alle überzeugen. Plötzlich steht Milow in der Mitte des Saales, er greift das Duett der Gitarristen auf, um es in ein „You and Me“ zu übernehmen. Das Publikum steht auf und klatscht begeistert. Wer hätte dies von einem Singer-Songwriter erwartet.

Nach einer Pause eröffnet Ceku einen weiteren sinfonischen Teil. Er lässt Filmmusik aus dem Paten in all ihrer Grandezza entstehen.Bryan Ferry übernimmt die Szenerie – er ist nicht ganz so gut bei Stimme. Ihm fehlt die letzte Kraft, mit samtweicher Stimme seine Gäste zu umschmeicheln. „Jealous Guy“ wird diesmal nicht durch sein markantes Pfeifen gekrönt. Die Chorsängerinnen und der Saxofonist machen den Song zu einem Ereignis. Dann kommt die große Stunde von John Miles. Er übernimmt das Piano. Es ist klar, was folgt „Music (was my first love)“, eine Pianoballade zwischen Sinfonieorchester und E-Gitarre – das Erkennungsstück des Abends.

Er bereitet mit „Wake Me Up“ von Avicii und „Jump“ (van Halen) den Boden für die famosen Pointer Sisters. Von der ursprünglichen Formation ist allein Anita mit über 70 Jahren dabei. Hinzu kommen Sadako, ihre Enkelin und ihre Nichte Issa. Aber auch in dieser neuen Besetzung bleibt alles beim Alten. „I’m So Excited“ ist der Party-Knüller schlechthin. Niemand im Publikum bleibt auf den Sitzen. Am Ende singen alle Mitwirkenden „Hey Jude“. Warum willst du eine Welt mögen, die unnötig kälter ist. Eine Botschaft, die wir gerne übernehmen.