Oliver Mintzlaff: "Es wird zu viel geklüngelt!"

Der Königswinterer berät die Stars Gomez und Hleb und ärgert sich über den Leichtathletik-Verband

Mit Mario Gomez und Alexander Hleb berät der Bonner Oliver Mintzlaff die beiden teuersten Bundesligaspieler, wie er sagt, in Marketing- und PR-Fragen.

Nach achteinhalb Jahren beim Weltunternehmen Puma, wo er zuletzt als Leiter Sportsponsoring arbeitete, wechselte Mintzlaff 2008 als Geschäftsführer zur Ferber Marketing GmbH nach Aspach. Das Unternehmen berät mehrere National- und Bundesligaspieler. Mit Oliver Mintzlaff sprach Hansjürgen Melzer.

General-Anzeiger: Warum haben Sie den sicheren Job bei Puma gegen den des Spielerberaters eingetauscht?

Oliver Mintzlaff: Ich habe bei Puma bereits 1996 als Athlet meinen ersten Ausrüstungsvertrag unterschrieben und hatte daher schon eine große emotionale Bindung an das Unternehmen. Nach achteinhalb spannenden Jahren habe ich mich aber entschieden, die Seiten zu wechseln, um noch dichter am Sportler arbeiten zu können.

GA: Dem Wechsel zu Ihrem neuen Arbeitgeber, Ferber Marketing, hat das Engagement bei Puma sicher nicht geschadet ...

Mintzlaff: Nein, ich habe dadurch erst das Glück gehabt, Uli Ferber kennenzulernen. Ich hatte in der Saison 2007/2008 für Puma Hoffenheim unter Vertrag genommen, als die Mannschaft in der Hinrunde noch auf Platz neun der 2. Liga stand. Das ist für Puma heute ein sehr gutes Investment, da der Verein mittelfristig international spielen wird.

Außerdem konnte ich im Februar 2007 nach vielen und langen Verhandlungen Mario Gomez unter Vertrag nehmen, noch bevor er Nationalspieler wurde. Er hatte damals noch keinen Ausrüstervertrag, wurde aber von allen Sportmarken umworben. Das hat natürlich geholfen.

GA: Was tun Sie für die Spieler?

Mintzlaff: Wir bieten jedem Spieler einen 360-Grad-Service. Neben der sportlichen Betreuung erstellen wir für jeden Spieler ein individuelles Profil, das seine Stärken und Schwächen herausstellt.

So können wir gezielt die passenden Partner und Sponsoren finden. Darüber hinaus kümmern wir uns um die Medienarbeit jedes Einzelnen. Dies umfasst die Pressearbeit und die Pflege der Homepages.

GA: Da hatten Sie zuletzt sicher viel Arbeit mit Mario Gomez ?

Mintzlaff: Es gab in der Hinrunde eine ganz schwierige Zeit für Mario. Er ist nach seinem Wechsel von Stuttgart mit breiter Brust nach München gereist und hat dann nach dem Dortmund-Spiel zwei Monate auf der Bank gesessen oder wurde erst in der 75. oder 80. Minute eingewechselt.

Natürlich geht das an einem Spieler nicht spurlos vorbei. Aber Mario hat sich durchkämpft und gerade in den letzten Spielen gezeigt, welches Niveau er hat.

GA: Konnten Sie als Berater da etwas tun?

Mintzlaff: Uli Ferber hat natürlich mit den Verantwortlichen gesprochen. Niemand holt einen Spieler für 30 Millionen Euro und setzt ihn dann auf die Bank.

Mittlerweile hat er das Vertrauen von allen Beteiligten und fühlt sich sehr wohl in München. Er hat in den letzten sieben Spielen sechs Tore geschossen. Mario schießt im Schnitt alle 100 Minuten ein Pflichtspiel-Tor und dabei vor allem die Wichtigen.

GA: Lässt sich ein Gomez gut vermarkten?

Mintzlaff: Aus meiner Sicht gibt es keinen besser zu vermarktenden Spieler in der Bundesliga. Mario ist intelligent, ausdrucksstark, hat eine tolle Körpersprache. Man kann ihn sowohl als Model im Anzug präsentieren als auch im Lifestyle-Outfit mit Jeans und Kapuzenpullover.

Wir haben viele mögliche Werbeverträge abgesagt, weil sie nicht zu ihm und seiner Persönlichkeit passten und wir ein bestimmtes Image aufbauen wollen. Aber das Wichtigste: Er hat das sportliche Talent, einer der Superstars auf europäischer Ebene zu werden.

GA: Warum hat der von Barcelona ausgeliehene Alexander Hleb, den sie ebenfalls beraten, in Stuttgart eine total enttäuschende Hinrunde gespielt?

Mintzlaff: Wir sind mit seiner sportlichen Situation derzeit auch nicht zufrieden, genau wie Alex selbst. Er hat seinen Urlaub abgesagt und wird hart arbeiten in der Vorbereitung auf die Rückrunde, um seine Fitness noch weiter zu verbessern. Ich bin sicher, dass er sich im Sommer, wenn sein Ausleihvertrag ausläuft, versöhnlich vom VfB Stuttgart verabschieden kann.

GA: Welche Rolle spielt der Berater?

Mintzlaff: Der Berater hat ganz großen Einfluss auf die sportliche Entwicklung des Spielers. Wir haben rund 35 Spieler unter Vertrag, darunter sind neben Serdar Tasci und Tobias Weis auch viele U17-, U18- und U20-Nationalspieler. Alle nimmt Uli Ferber schon als Jugendliche in die Betreuung mit auf. Er führt daher viele Gespräche mit den Eltern, um ihnen ihre Ängste vor der Zukunft zu nehmen.

GA: Sie kommen aus der Leichtathletik. Bringt die glanzvolle WM in Berlin einen Aufschwung?

Mintzlaff: Es gibt erfolgreiche deutsche WM-Teilnehmer, die bisher noch keinen Werbevertrag abgeschlossen haben.

GA: Kann Ihre Agentur da nicht nachhelfen?

Mintzlaff: Wir haben Langstrecklerin Sabrina Mockenhaupt, Zehnkämpfer Pascal Behrenbruch und Hochspringerin Meike Kröger unter Vertrag. Aber wir werden uns nicht von unserem Kerngeschäft Fußball lösen.

GA: Woran hapert es in der deutschen Leichtathletik?

Mintzlaff: Der Deutsche Leichtathletik-Verband ruht sich auf dem Erfolg von Berlin aus. Die nächste Europameisterschaft, bei der die stärksten Nationen fehlen, wird noch halbwegs erfolgreich laufen.

Bei der folgenden WM wird es dann wieder katastrophal, weil man die penible Aufbauarbeit, die man hätte angehen können, nicht umgesetzt hat. Und bei Olympia 2012 in London gibt es dann ein ganz böses Erwachen - wie schon in Peking.

GA: Woran liegt das?

Mintzlaff: Es gibt in Deutschland genügend Talente, das hat die WM ja gezeigt. Aber der DLV hat ein Strukturproblem. Es gibt keine richtigen Förderprinzipien, keine kontinuierliche Unterstützung für die Athleten. Entscheidungen sind oft nicht nachvollziehbar.

Es wird zu viel geklüngelt. Die Trainer lassen sich nicht auf die Athleten ein und versuchen nur, ihren eigenen Job zu retten. Im Fußball hätte das Trainerteam angesichts der Misserfolge in den vergangenen acht Jahren viele Male gewechselt. Aber in der Leichtathletik gilt das Leistungsprinzip nur für die Athleten, nicht für die Trainer. Stattdessen regiert die Willkür.

GA: Zum Beispiel?

Mintzlaff: Sabrina Mockenhaupt wollte bei den Weltmeisterschaften die 10 000 Meter laufen, aber der Verband hat Druck auf sie ausgeübt, damit sie beim Marathon startet. Obwohl jeder wusste, dass Sabrina in der Mittagshitze keinen Marathon laufen kann. Und dann hat man ihr hinterher auch noch Vorwürfe wegen der Renneinteilung gemacht.

Außerdem ist sie aus der Optimalförderung des Verbandes gefallen, weil sie nicht unter die besten Acht gekommen ist, was sie über 10 000 Meter sicher geschafft hätte. Dagegen genießt Irina Mikitenko weiterhin die Optimalförderung, obwohl sie zweimal bei den Saisonhöhepunkten gefehlt hat.

Zur Person

Oliver Mintzlaff (34) wuchs in Königswinter auf und startete für die SSF Bonn und die LG Bonn-Troisdorf-Niederkassel als Langstreckenläufer.

Nach dem BWL-Studium, unter anderem in den USA, arbeitete er bei Puma in Herzogenaurach, zuletzt als Verantwortlicher für das Sportmarketing. 2008 wechselte er zu Ferber Marketing, das sich auf Beratung und Betreuung von namhaften Fußballern spezialisiert hat.