Zum Besuch Merkels in Marxloh

Ungeschickt

Duisburg. Missstände bessern sich nicht, wenn man sie verschweigt oder kleinredet - sie werden höchstens größer. Insofern könnte man es begrüßen, dass die Kanzlerin sich in Marxloh höchstpersönlich ein Bild von der Lage macht, indem sie sich die Sorgen der Anwohner anhört. Einerseits.

Andererseits fragen Anwohner zu Recht: Was bringt uns der Besuch der Kanzlerin - außer noch mehr schlechte Presse? Dass Marxloh ein schwieriges Pflaster ist, wusste jeder in Duisburg. Seit einem Brandbrief der Polizeigewerkschaften, die vor einem Abrutschen des Viertels in Bandenkriminalität und Brutalität ("No-Go-Areas") warnten, ist Marxloh auch in ganz NRW ein Begriff. Seit dem Besuch von Kanzlerin Merkel aber gilt Marxlohs schlechter Ruf bundesweit.

Der Nutzen, den Marxloh aus der aktuellen (negativen) Aufmerksamkeit ziehen kann, wird klein sein. Vielleicht fließen ein paar Fördergelder mehr, schauen sich Berliner Politikakteure ein paar Sozialprojekte noch einmal genauer an. Aber in ein paar Monaten dürfte Marxloh in der fernen Hauptstadt wieder vergessen sein. Was bleibt, sind Anwohner, die die Konsequenzen des nun zementierten Imageproblems zu tragen haben.

Die Abwärtsspirale einer Kommune hält man nicht auf, indem man sie zum Gegenstand einer Art politischen Kanzler-TV-Show macht - im Gegenteil. Wer jetzt noch in Marxloh wohnt, schämt sich. Es wäre nützlicher und geschickter gewesen, sich mit Ehrenamtlichen über die Schieflagen vor Ort zu beraten - und zwar ohne Fernseh-Tamtam.