Kommentar

Scheinheiligkeit von Pegida: Unter falscher Flagge

Das sollte zu denken geben: Französische Karikaturisten haben sich mit einem Flugblatt gegen die deutsche Pegida-Bewegung gestellt. Zu denken geben, weil doch die Pegida-Demonstranten selbstbewusst für sich in Anspruch nehmen, die Werte des Abendlandes zu verteidigen.

Das sehen offenbar nicht alle so. Die Zeichner haben ein feines Gespür dafür, dass hier jemand unter falscher Flagge segelt.

"Lügenpresse" - das ist das Pauschalurteil gegen eine freie Berichterstattung, die sich kritisch mit Pegida auseinandersetzt, das bei den Dresdner Demos so gern und so laut ertönt. Es hätte nicht schlecht in den Mund der Attentäter von Paris gepasst. Eine freie, freche, kritische Presse - das ist eben auch ein Wert jenes Abendlandes, dessen Beschwörung zum hohlen Ritual der Pegida-Aufmärsche gehört. Er wird bedroht von all jenen, die es nicht aushalten, wenn ihnen andere Positionen entgegengehalten werden. Insofern darf man es als zynisch empfinden, wenn gestern die Dresdner Demonstranten aufgerufen waren, mit Trauerflor für die Opfer von Charlie Hebdo zu erscheinen.

Diese Scheinheiligkeit hat bei Pegida Methode. Vor Heiligabend fanden die Initiatoren es angebracht, zum Weihnachtslieder-Singen zu laden. Schließlich galt es ja, das christliche Abendland zu verteidigen. Was die Initiatoren nicht daran hinderte, nach der letzten Strophe, gegen Asylsuchende und Flüchtlinge zu poltern. Die Veranstalter fanden es gestern opportun, gemäßigtere Töne anzuschlagen. Die Demonstranten waren ehrlicher. Zu neuer Sanftheit verspürten sie wenig Lust.