Meinung

Olympiabewerbung - Vor einem Marathon

Mit Olympischen Spielen verhält es sich im Grunde wie mit ein paar zusätzlichen Feiertagen. Man braucht sie nicht wirklich, aber es ist schön, wenn man sie bekommt.

Hamburg wird sich um die Ausrichtung der Sommerspiele 2024 bewerben. Nicht Berlin, wo die Zustimmung in der Bevölkerung bei einer Umfrage deutlich geringer ausfiel. Insofern hat der Deutsche Olympische Sportbund eine gute Entscheidung getroffen, denn will Deutschland wirklich eine Chance haben, darf fortan nichts mehr zerredet werden. Eine Bewerbung wie diese, bei der die Konkurrenten Boston, Rom und wohl auch Paris heißen werden, braucht Rückhalt und Begeisterung auf allen Ebenen. Sonst lässt man's lieber gleich - und spart Millionen.

Natürlich gibt es nachvollziehbare Argumente auch gegen Olympia. Irgendwo muss immer ein Lurch geschützt werden. Vor allem aber entzündet sich die Kritik gerne an den Kosten, die - auch das ist eine olympische Disziplin - ebenso wenig eingehalten werden wie bei Elbphilharmonie und Berliner Flughafen. Allerdings steht hinter Olympischen Spielen stets eine Mischfinanzierung. Das Internationale Olympische Komitee zahlt ein, außerdem die Stadt, das Land, der Bund und private Sponsoren. Es wäre naiv zu glauben, dass dieses Geld ansonsten in marode Schulen, Sporthallen oder Spielplätze fließen würde.

Wie große Sportveranstaltungen die Sicht auf ein Land verändern können, haben bereits die Spiele 1972 in München gezeigt, die bis heute letzten in Deutschland. Obwohl das Attentat damals vieles überschattete, blieben sie als heiter, natürlich und sympathisch in Erinnerung. Und das in einer Zeit, in der Deutschland noch mit Marschmusik assoziiert wurde. Vor der Fußball-WM 2006 waren die Vorurteile nicht mehr gar so holzschnittartig, doch binnen vier Wochen wurden aus den pünktlichen, effizienten und überorganisierten Deutschen ausgelassene Feierbiester. Mehr Imagepflege geht nicht.

Wenn sich Menschen für die Sportler ihres Landes begeistern, hat das zunächst einmal nichts mit nationalem Taumel zu tun. Ziel und Sinn von Wettkampf ist halt der Sieg. Und um möglichst viele Medaillen zu gewinnen, würde auch in Deutschland vor Olympischen Spielen "zu Hause" viel Geld in den Sport fließen. Der Sportlandschaft insgesamt täte das gut, denn in den vergangenen Jahren verlief die Entwicklung hierzulande hin zu einer fußballerischen Monokultur.

Doch vorerst steht das alles im Konjunktiv. Hamburg ist allenfalls einer von einigen aussichtsreichen Kandidaten, jedenfalls nicht der Favorit. Zudem will Deutschland 2024 auch die Fußball-EM ausrichten, was der Olympiabewerbung nicht helfen wird. Sehr wahrscheinlich also, dass Hamburg für 2028 nochmal an den Start gehen und sich für die olympischste aller Disziplinen trimmen muss: für einen Marathon.