Kommentar zu Bayer und Monsanto

Der Schaden ist da

Das US-Urteil gegen den Saatgutkonzern Monsanto wegen angeblich verschleierter Gefahren beim Pflanzenschutzmittel Glyphosat hat für einen herben Kurseinbruch bei der Aktie des Mutterkonzerns Bayer gesorgt.

Das US-Urteil gegen den Saatgutkonzern Monsanto wegen angeblich verschleierter Gefahren beim Pflanzenschutzmittel Glyphosat hat für einen herben Kurseinbruch bei der Aktie des Mutterkonzerns Bayer gesorgt.

Mit dem Kauf von Monsanto ist Bayer ein hohes Risiko eingegangen. Weitere Gerichtsverfahren könnten dem Ruf des Unternehmens in Zukunft deutlich schaden, meint GA-Autor Mischa Ehrhardt.

Es gibt genügend Menschen, die gewarnt haben. Und vielleicht werden wir in Zukunft diese Warner belächeln. Hoffentlich. Belächeln, weil ein Megakonzern Bayer-Monsanto die Menschheit nachhaltig mit gesunden Lebensmitteln versorgt, die weder Mensch noch Natur schaden. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg. Denn Bayer hat sich einen Konkurrenten einverleibt, dessen Name für viele Dinge steht, die wir nicht mit verantwortungsvollem, fürsorgendem Handeln in Verbindung bringen. Um nur drei Dinge zu nennen: Monsanto hat das US-Militär im Vietnamkrieg mit „Agent Orange“ versorgt – einem Entlaubungsmittel, das auch zum Zerstören von Nutzpflanzen eingesetzt wurde und bis heute Gesundheitsschäden nach sich zieht. Monsanto produziert aber auch gentechnisch veränderte Pflanzen und vertreibt in großem Stil eben jenes umstrittene Pestizid Glyphosat, von dem die Weltgesundheitsorganisation meint, es sei wahrscheinlich krebserregend.

Bayer kann viele Studien zitieren, die das Gegenteil behaupten. Zweifel werden bleiben. Diese Probleme und noch ein paar mehr hat sich Bayer mit Monsanto eingekauft. Und die Konzernführung in Leverkusen hat das vorher genauer gewusst als irgendwer sonst. Sie wusste auch um Tausende Klagen in den USA, von denen eine nun zugunsten des Klägers entschieden ist. Offenbar befand man in Leverkusen: Wachstum ist uns wichtiger als die Sorgen von Bedenkenträgern.

Mit jedem Verfahren im Rampenlicht

Das könnte sich rächen. Denn selbst wenn es nicht dazu kommt, dass jeder einzelne US-Kläger Millionen Entschädigungen einklagen kann; selbst wenn dieses Urteil in nächster Instanz wieder aufgehoben wird: Bayer wird in Zukunft mit jedem dieser Verfahren im Rampenlicht stehen. Wohin das führen kann, hat man unlängst bei der Deutschen Bank studieren können. Die fand aufgrund vieler Rechtsstreitigkeiten kaum mehr Ruhe. Im Fall Bayer hat man sich das Risiko hinzugekauft. Und in Zukunft ist es nicht mehr der Monsanto-Konzern, der angeklagt wird, sondern Bayer selbst.

Im Zuge der Fusion hat man es eilig gehabt, den für hiesige Ohren unschön klingenden Namen Monsanto loszuwerden. Damit hat man zum einen wohl Monsanto-Mitarbeiter vor den Kopf gestoßen. Auf deren Kooperation ist Bayer aber vor allem angewiesen, wenn die Fusion ein Erfolg werden soll. Wie schwierig eine Megafusion über den Atlantik ist, hat man beim Versuch des Zusammenschlusses von Daimler und Chrysler studieren können. Die Hochzeit wurde in den Himmel gelobt und ist krachend gescheitert. Zum anderen verfängt das Tilgen des Namens Monsanto nicht. Der Name Monsanto wird bei jedem Verfahren wieder fallen, auch wenn er offiziell nicht mehr existiert. Und er wird auf Bayer abfärben, weil er offiziell nicht mehr existieren soll. Man kann es drehen, wie man will: Der Reputationsschaden für Bayer ist durch die Übernahme entstanden. Und er lässt sich nicht mehr korrigieren.