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Christopher Hogwood und das Beethoven Orchester: Wunderbar filigran
Von Fritz Herzog
bonn. Christopher Hogwood und das Beethoven Orchester haben mit drei meisterhaften Abendständchen in der Bonner Beethovenhalle viel Applaus geerntet.
Christopher Hogwood mit Hingebung am Dirigentenpult. Foto: Thilo Beu
Sie ist eine "Ikone der Kultur", Wolfgang Amadeus Mozarts Serenade G-Dur für Streicher (Köchel 525), populär geworden unter dem Titel "Eine Kleine Nachtmusik".
Die lässt Christopher Hogwood, der seinerzeit mit seiner Academy of Ancient Music einem authentischen Klangbild bei Mozart und Beethoven überzeugend dicht auf den Fersen war, in der originalen Quintett-Besetzung in der Beethovenhalle aufführen; das aber in einer um einen weiteren Trio-Satz auf fünf Sätze ergänzten Fassung. Begründen kann man das damit, dass Mozart in seinem eigenen Werke-Verzeichnis fünf Sätze aufgelistet hat.
Den nach dem Kopfsatz eingefügten neuen Menuetto-Trio-Satz hat Hogwood, der sowohl forschend wie als Herausgeber tätig ist, aus einem Arbeitsheft des Mozart-Schülers Thomas Attwood, in welchem reichlich Verbesserungsideen des Lehrers festgehalten sind, destilliert: 80 Prozent Mozart, 15 Prozent Attwood und fünf Prozent Hogwood, wie der Dirigent launig erklärt, bevor er das Podium verlässt.
Die Beethoven-Musiker unter Primarius Liviu Casleanu, Konzertmeister des Orchesters, realisieren das hinlänglich bekannte Werk mit frischer Anmut, wunderbar filigran und einigen verzierenden Schlenkern am ersten Pult, dessen Spielfreude bisweilen schon mal überzuschäumen droht.
Eröffnet wurde der Abend mit Antonín Dvoráks zweiter, seiner Bläser-Serenade d-Moll (op. 44). Das böhmisch musikantische Idiom wurde unter Hogwoods Leitung glänzend eingefangen: Furiant-Energie entfesselt im Trio des Minuetto-Satzes, ein intimer Dialog geführt zwischen Oboe und Klarinette, den klanglichen Exponenten im hinreißend lyrisch musizierten Andante, um schließlich dann temperamentvoll durchzustarten im finalen Allegro. Nicht völlig ausgeschlafen zeigte sich bei alledem das Blech.
Im zweiten Teil des Vormittags ging's mit Johannes Brahms' groß besetzter D-Dur-Serenade (op. 11) mit ihren fast schon sinfonischen Dimensionen ernster zu.
Hogwood ließ in deutscher Sitzordnung glänzend durchhörbar musizieren und forschte den Beethoven-Bezügen wie den böhmisch tänzerischen Aspekten hingebungsvoll nach. Viel Applaus aus gut gefüllter Halle.
Artikel vom 14.02.2012
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