Dirt-Bike-Park in Dottendorf

Viele Fragen bleiben offen

DOTTENDORF.  So heftige Diskussionen hat es in Dottendorf schon lange nicht mehr gegeben. Rund 100 Bürger hörten sich am Mittwochabend in einer CDU-Bürgerversammlung im Ortszentrum Argumente für und gegen einen so genannten Dirt-Bike-Park an, der auf der Wildwiese zwischen Hertha-Platz und Waldrand entstehen soll.
Hinter dem Kindergarten-Areal gab es früher einen gepflegten Rasen. Die Nutzung der heute zugewachsenen Wiese als Bolzplatz wäre im Sinne der Anwohner. Aber keinen Dirt-Bike-Park.
							Foto: Rolf Kleinfeld
Hinter dem Kindergarten-Areal gab es früher einen gepflegten Rasen. Die Nutzung der heute zugewachsenen Wiese als Bolzplatz wäre im Sinne der Anwohner. Aber keinen Dirt-Bike-Park. Foto: Rolf Kleinfeld

Unterm Strich konnte die Initiative für den Cross-Platz zwar einige Sorgen zerstreuen. Beispielsweise soll er nur ein Drittel der Wiese beanspruchen, direkt hinter dem Hertha-Platz liegen, keine Musikbeschallung und kein Flutlicht erhalten sowie unter Aufsicht des RSC Sturmvogel Bonn stehen. Außerdem wäre er nur tagsüber nutzbar, im Dunkeln jedoch nicht. Und die Erdhügel würden nur 15 Zentimeter bis 1,50 Meter hoch. Dazu sei der Sport "leise".

Allerdings blieben aus Sicht der Kritiker wichtige Fragen offen: Wie wird der Missbrauch verhindert, so dass dort keine Mofas oder Motocross-Maschinen widerrechtlich fahren? Wie groß wird der Kreis der Nutzer sein? Wie werden sie kontrolliert? Wie hoch wird künftig die Verkehrsbelastung im Eulenweg? Und wie könne man verhindern, dass der Venusberghang als Anfahrtsrampe für den Cross-Platz genutzt werde?

Darauf konnte die Initiative keine zufriedenstellenden Antworten geben, so dass ein Bürger sagte: "Ich fahre selbst Mountainbike, aber man muss prüfen, ob das hier wirklich der richtige Standort ist." Die Rheinaue sei dafür besser geeignet. Viele Beiträge gingen in diese Richtung: Man habe nichts gegen Sport oder Jugendliche, aber an dieser Stelle sei der Dirt-Bike-Park nicht richtig aufgehoben. Besser sei es, wieder einen Bolzplatz aus der Wiese zu machen - wie früher.

Kritik wurde an Bürgermeister Helmut Kollig geäußert, der den Anwohnern eine Kampagne und ungesunden Bürgerwillen unterstellt hatte. Ein Dottendorfer hat Kollig inzwischen schriftlich aufgefordert, dies öffentlich zurückzunehmen. Kritik gab es in der Versammlung aber auch an der Stadt Bonn, weil diese die Anlieger nicht einbezogen habe. "Wir wissen überhaupt nicht, was uns hier erwartet", so eine Bürgerin erbost. Sie meinte: "Der Anwohnerschutz wird hier nicht besonders groß geschrieben."

Allerdings gab es auch Stimmen, die dem Trendsport "Dirten" gar nichts abgewinnen konnten. Eine Teilnehmerin trauerte dem alten Bolzplatz nach und meinte: "Wenn da jetzt Kinder aus ganz Bonn hinkommen, kann man die eigenen Kinder dort nicht mehr hinschicken." Sie erntete mit diesem Beitrag nicht mehr als Kopfschütteln.

Gabriele Klingmüller (SPD) ergriff Partei für die Dirt Biker und bezeichnete das Argument des Landschaftsschutzes für die Wiese als Vorwand. "Wir sollten diesen Jungen die Chance auf ihren Sport geben", meinte sie. Das wilde Crossbiken durch den Wald habe mit dem neuen Platz nichts zu tun, "denn die Abfahrten sind ja schon da".

Als Befürworter erwies sich der Vorstand des FC Hertha Bonn, über deren Sportanlage auch der Zugang zu dem Dirt-Bike-Platz erfolgen könne. "Warum soll das nicht in Dottendorf stattfinden?", meinte Kai Mühlbauer. Man solle aufpassen, dass der Ort nicht zu einem "Totendorf" werde.

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