Gagfah

Private Daten von Bonnern am Gehweg in Köln

BONN.  Als Marlis Weber (Name geändert) vergangene Woche am Gagfah-Verkaufsbüro an der Neusser Straße im Kölner Stadtteil Weidenpesch vorbeiging, fiel ihr Blick im Vorübergehen auf ein dickes Bündel achtlos abgestelltes Papier. Sie sah Namen, den Gagfah-Schriftzug, Telefonnummern - und schaute, da sie selbst in einer Wohnung des Unternehmens wohnt, genauer hin.

Weber staunte nicht schlecht: In den Kartons lagen Datenblätter für den Notar sowie Reservierungsvereinbarungen und Vollmachten von Kunden, die Gagfah-Wohnungen gekauft haben.

Darunter auch zahlreiche Kunden aus Bonn, die unter anderem Wohnungen in der Hausdorffstraße, der Karl-Barth-Straße und der Wichernstraße in Kessenich gekauft haben. Auf den Dokumenten, die Weber fand, sind viele private Details notiert: Handynummern, Adresse, Beruf sowie Kaufpreis der Wohnung.

"Ich finde, das ist ein ziemliches Ding", sagt Weber. In den Kartons hätte neben den Dokumenten über Immobiliengeschäfte in Bonn auch viel vertrauliches Material über die Gagfah-Wohnungen an der Neusser Straße gestanden. Überrascht bis verärgert reagieren die Betroffenen auf Anfrage des General-Anzeigers. "Ich finde das ziemlich miserabel, aber es passt in das Bild, das ich von der Gagfah habe", sagt einer der Käufer.

Er habe überlegt, ob er juristisch gegen das Unternehmen vorgehen soll, sich aber dagegen entschieden. "Das Kind ist schon in den Brunnen gefallen, der Kauf liegt ein paar Jahre zurück, die Adresse stimmt auch nicht mehr - ich habe mich entschieden, entspannt damit umzugehen", sagt der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Aber: "Für mich ist das ein Datenschutzdelikt".

Das sieht Reinhold Gerhard auch so. Der ehemalige Schulleiter hat eine Wohnung an der Hausdorffstraße gekauft. "Ich werde mich mal mit der Gagfah unterhalten und dann überlegen, ob ich strafrechtlich wegen Verletzung des Datenschutzes gegen die vorgehen soll. Es ist ein Unding, dass so mit den Daten umgegangen wird", sagt Gerhard.

Auf GA-Anfrage verwies die Gagfah darauf, dass es sich bei dem Büro, vor dem die Kartons mit den Dokumente standen, um den Geschäftssitz der Firma K & K Kölner Immobilien-Treuhand GmbH handelt, ein Maklerunternehmen, das lediglich von der Gagfah beauftragt sei. Dessen Geschäftsführer Hanns Kemp räumt ein: "Das sind interne Informationen, die normalerweise nicht öffentlich zugänglich sein sollten."

An Donnerstag vergangener Woche seien Möbel geliefert worden, deswegen könne nicht ausgeschlossen werden, dass beim Umräumen kurzzeitig Unterlagen neben den Büros gestanden hätten. Ein Teil des Mobiliars und der Dokumente seien entsorgt worden, andere nach dem Umbau wieder eingeräumt worden. "Das war ein Riesenterz", sagt Kemp. Normalerweise seien solche Unterlagen nicht öffentlich zugänglich oder würden korrekt und datenschutzgerecht mit dem Reißwolf entsorgt. "Das ist ein Ausnahme und hätte nicht passieren sollen."

Gagfah in Bonn: Die Gagfah Group ist mit bundesweit rund 150.000 Mietwohnungen und weiteren 18.000 für Dritte verwaltete Wohnungen nach eigenen Angaben das führende börsennotierte Wohnungsunternehmen in Deutschland. In Bonn besitzt das Immobilienunternehmen insbesondere Wohnungen in Beuel (Von-Sandt-Straße) und Kessenich (Haussdorff-, Harleß-, Karl-Barth- und Franz-Bücheler-Straße. 2005 begann das Unternehmen, seine rund 450 Wohnungen in Bonn zu verkaufen. Die Gemeinnützige Aktien-Gesellschaft für Angestellten-Heimstätten gehörte früher der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte. Hauptaktionär ist das Investmentunternehmen Fortress Investment Group LLC.

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