Kommentar: Schlamperei im Stadthaus

Da hätte die Stadtverwaltung beinahe einen teuren Fehler gemacht. Still und leise wollte sie die Werbeverträge mit dem Reklame-Riesen Ströer weiterlaufen lassen, obwohl ein glasklares Sonderkündigungsrecht einen Hebel für Neuverhandlungen bietet.

Erst als SPD und Linkspartei nachhakten, machten der zuständige Stadtbaurat Werner Wingenfeld und seine Leute die Vertragsklausel im Wirtschaftsausschuss überhaupt zum Thema. Allerdings bekamen die Politiker zu hören, der Hebel sei zu dünn, um von Ströer spürbare Nachbesserungen zu verlangen.

Unter dem öffentlichen Druck, der dann einsetzte, beauftragte die Verwaltung einen externen Fachmann mit der Prüfung der Klausel. Und siehe da - der Hebel ist doch dick genug. Um wie viel Geld es dabei gehen kann, zeigt ein Blick nach Münster: Dort kassiert die Stadt nach einer Neuausschreibung der Verträge eine Million Euro jährlich vom Ströer-Konkurrenten Wall. Bonn bekommt 800 000 Euro.

Es ist völlig inakzeptabel, dass die Verwaltung das Thema derart schlampig behandelt hat - obwohl Bonn seit Jahren in einer Finanzkrise steckt. Und sie scheint weiterhin nicht gewillt zu sein, den Wirtschaftsausschuss vernünftig in die Ströer-Verhandlungen einzubinden. Die Fraktionen wollten die Forderungen an den Konzern mitformulieren, doch die Verwaltung ist längst vorgeprescht - ein Schlag ins Gesicht gerade jener Kommunalpolitiker, die den teuren Fehler verhindert haben.

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