Sport- und Bäderamt

Ärger über Indiskretion der Stadt

BONN.  Vor einem Scherbenhaufen steht die Stadt Bonn, nachdem der von ihr favorisierte Holger Schumacher seine Bewerbung als Leiter des Sport- und Bäderamtes kurzfristig zurückgezogen hat.

Wie die seit fast einem Jahr vakante Stelle besetzt wird, ist nun wieder offen, zumal auch die von der Stadt ausgesuchte Alternativkandidatin für den Posten die Ratsmehrheit nicht überzeugt.

Wie berichtet, hatte Schumacher das Handtuch geworfen, nachdem ihm signalisiert worden war, dass die Fraktionen mit Ausnahme der SPD ihn heute Abend im Stadtrat nicht wählen würden. Das lag nicht unbedingt in der Person des 50-Jährigen, der bei der Vorstellung am Montagabend mit seiner Antrittsrede und seiner Art einen positiven Eindruck gemacht habe, sondern an der Ausrichtung der Stelle.

Die Stadt hatte einseitig einen Bäder-Fachmann gesucht. Die Aufgaben im Sportsektor, die Betreuung von Vereinen und Sportanlagen, wurden in der Beratungsvorlage dagegen mit keinem Wort erwähnt.

"Mit einer frühzeitigen Namensnennung, bevor der Rat entscheidet, tut man Bewerbern keinen Gefallen", kritisiert Georg Fenninger (CDU). "Transparenz ist gut und schön, aber nicht bei solchen Personalangelegenheiten", ergänzt Tom Schmidt (Grüne). Beide hegen den Verdacht, dass dies bewusst geschehen ist, um den Rat unter Druck zu setzen.

Die Bewerber bringe das bei ihren alten Arbeitgebern in Schwierigkeiten. Stadtsprecherin Monika Hörig nannte als Begründung, der Name der Bewerber hätte sowieso den Weg in die Öffentlichkeit gefunden und man habe die Herausgabe der Information in der eigenen Hand behalten wollen.

Dabei war der Name Schumachers schon vor zwei Wochen bekannt gewesen, als er durch eine Panne im öffentlichen Ratsinformationssystem erschien. Trotzdem tauchte er danach nicht in den Bonner Medien auf. Kritik kommt von der Initiative Pro Sportstadt Bonn (PSB): Der Sport in Bonn gerate immer mehr aufs Abstellgleis, die Ausrichtung der Verwaltung sei sportvereinsfern und es werde an Bedürfnissen des Sports vorbei gedacht, heißt es in einer Presseerklärung.

Der PSB fordert daher den Stadtsportbund auf, den 2009 ins Leben gerufenen "Pakt für den Sport" zu kündigen. "Worte und Taten dieses Paktes stehen ebenso im Missverhältnis wie die immer weiter wachsende Kluft bei der Verteilung freiwilliger Leistungen", sagte PSB-Sekretär Kay Milner. Die Vereine seien wütend über die Ignoranz der Verwaltung. Laut PSB haben sich ihr nunmehr 72 Vereine angeschlossen, mit 49.602 Mitgliedern.

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