Jubelnde Begrüßung und zerbombte Straßen

Im Windeckbunker sind am Wochenende Bilder und Dokumente des Krieges zu sehen

Bonn. (klz) Leiden musste die Zivilbevölkerung sehr unter dem Zweiten Weltkrieg, doch gleichzeitig haben zahlreiche Bonner auch von ihm profitiert: "Da nun eine größere Anzahl Häftlinge vorhanden und eingekleidet sind, bitte ich Sie, mir täglich zwei für dauernd zuzuteilen" - diese Zeilen schrieb ein Bonner Unternehmer an die Stadtverwaltung um billige Arbeitskräfte zu bekommen.

Das Dokument ist Teil der Ausstellung "Seht das kommt vom Krieg", die von Freitag bis Sonntag im Windeckbunker zu sehen ist.

"Wir wollten den Krieg mit all seinen Facetten darstellen", sagt Norbert Volpert von StattReisen. Zusammen mit Erhard Stang von der Bonner Geschichtswerkstatt stellte Volpert die Ausstellung anlässlich des 60. Jahrestages des Kriegsendes am 8. Mai zusammen.

Die rund 60 großformatigen Bilder und zahlreichen Dokumente, die vom Stadtarchiv zur Verfügung gestellt wurden, spannen den Bogen zu der Zeit vor, während und nach dem Krieg. Die jubelnde Begrüßung der einmarschierenden Wehrmacht-Truppen ist ebenso zu sehen, wie zerbombte Straßenzüge, Schuttberge und aufsteigende Rauchschwaden.

"Manche Bilder sind hier zum ersten Mal zu sehen", sagt Volpert. Wie zum Beispiel das Foto des toten Soldaten oder Frauen, Männer und Kinder auf der Flucht in den Bunker am Blumenhof. "Solche Bilder waren verboten, da sie "wertezersetzend" waren", erklärt der StattReisen-Mitarbeiter.

Premiere haben auch die Fotografien, die den Bau des Windeckbunkers zeigen. Vom 3. März bis 1. November wurde das Gebäude mit drei oberirdischen und vier unterirdischen Etagen an der Budapester Straße hauptsächlich von Zwangsarbeitern gebaut.

Die Idee, den Bunker hinter der Stadtbibliothek als Ausstellungsraum zu nutzen, kam vom Schirmherrn der Bonner Geschichtswerkstatt, Bernhard von Grünberg. "In der beklemmenden Atmosphäre des Bunkers wird ein Besuch der Ausstellung zum emotionalen Erlebnis", sagt von Grünberg.

Es sei sehr wichtig, darüber zu reflektieren, was Krieg bedeute, und wie schnell eine Nation in diesen hinein geraten könne. Die Ausstellung wird am Freitag um 17 Uhr eröffnet. "Vor Ort werden fachkundige Leute sein, die bei Fragen gerne zu Verfügung stehen", sagt Volpert. Bis 20 Uhr sind die Bilder und Dokumente zu sehen. Am Wochenende, 7./8. Mai, ist die Ausstellung jeweils von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Bonner Bürger, die noch persönliche Erinnerungen an die im Bunker verbrachten Tage und Nächte haben, sind eingeladen zu einem Erfahrungsaustausch ab 15 Uhr im Café Kirchenpavillon, Budapester Straße 7. "Das Café ist auch während der Ausstellung geöffnet und bietet Raum für Gespräche über die Bilder", sagt von Grünberg, der die Erfahrung gemacht hat, dass ein großes Bedürfnis besteht, Geschichte hautnah zu erfahren.