Online-Piraterie: Wie hoch ist der Schaden wirklich?

Screenshot einer Homepage mit der Darstellung eines Kopiervorgangs eines Musikanbieters.

Screenshot einer Homepage mit der Darstellung eines Kopiervorgangs eines Musikanbieters.

Die britische Band "Indelicates" spricht über die angebliche Not der Musikindustrie und stellt ihre Songs kostenlos zum Download. Artikel eines Schülers des Beethoven-Gymnasiums, Klasse 8a.

Bonn. In der Zeit digitaler Downloads ist die Versuchung groß, Lieder oder ganze Musikalben kostenlos aus dem Internet herunterzuladen. Aber das ist meistens illegal. Für die einen ist es nur ein Kavaliersdelikt, andere sehen darin den Ruin der Musikindustrie. Das sehen nicht alle so.

"Lade dir ein Lied runter und zahl so viel es dir wert ist!", steht auf der Webseite der britischen Band "The Indelicates". Sie laden ihre Musik nach dem Motto "Pay-what-you-want" in das Internet hoch. So kann man sich zuerst ein Lied herunterladen, es anhören und das zahlen, was es einem wert ist.

"Wir haben mehr Geld verdient, seitdem wir uns von unserem alten Musiklabel verabschiedet und unser eigenes gegründet haben. Außerdem darf sich jeder bei uns melden, damit er seine Musik dort hochladen kann. So geben wir jungen Musikern auch eine Chance", erklärt Julia Indelicate.

Wieso sprechen dann viele davon, dass die Musikindustrie durch das "Stehlen von Musik" in Gefahr ist? "Wir denken, dass die Musikindustrie einfach nur auf ihrem alten System festgefahren ist und neue technische Möglichkeiten nicht nutzt." Tatsächlich werden häufig unglaublich große Zahlen genannt, die die Musikindustrie scheinbar an Verlusten durch die "Online-Piraterie" einstreichen muss.

2010 hieß es, die Rechteinhaber hätten bis 250 Milliarden Euro einbüßen müssen, und bis zu 750 000 Jobs seien gefährdet. Unklar ist, mit welcher Methode die Verluste berechnet wurden. Oft wird einfach nur die ungefähre Anzahl der illegal heruntergeladenen Songs mit deren Preis multipliziert.

Dadurch kommen riesige Summen zustande. "Es ist schließlich nicht garantiert, dass jedes dieser downgeloadeten Lieder auch in Wirklichkeit gekauft werden würde. Oft laden sich die Menschen Musik runter, um zu entscheiden, ob sie sich ein Album wirklich kaufen sollen oder nicht", kommentieren "The Indelicates".

Inzwischen haben die Indelicates ein neues Album herausgebracht, vertreiben es nun wieder mit ihrem "Pay-what-you-want"-System und sind sehr zufrieden.

Infos: www.indelicates.com

Beethoven-Gymnasium, Klasse 8a